Umfrage – Kurorte-Klima: Überblick über die aktuelle Geschäftslage und Auswirkungen auf Heilbäder und Kurorte.

Auch weiterhin ist die Lage dramatisch. Inzwischen verzeichnen wir weltweit über 838.000 Infektionsfälle durch das Coronavirus (COVID-19). Mehr als 68.000 der Infektionsfälle werden in Deutschland gemeldet (Johns Hopkins University, Stand: 31.03.2020, 20:38 Uhr). Die Zahlen der Corona-Virusinfektionen steigen weiterhin. Allerdings verlangsamt sich der Anstieg der Fallzahlen stetig. Das Ausmaß der Pandemie ist jedoch bis heute unklar. Forscher versuchen einen Blick in die Zukunft zu wagen und spielen mehrere Szenarien durch, um die Auswirkungen und Folgen der Pandemie zu bewerten.

Um Transparenz und klare Fakten zur Lage in den Heilbädern und Kurorten zu schaffen, führen wir seit dem 17.03.2020 wöchentlich die Kurzbefragung „Kurorte-Klima“ durch. Heute ziehen wir nach 14 Tagen eine erste Zwischenbilanz und stellen Ihnen die Ergebnisse der ersten und zweiten Befragungswoche vor:

Geschäftslage und Geschäftserwartungen zeigen: Besserung ist absehbar nicht in Sicht.

Viele Akteure im Tourismus befinden sich seit einigen Wochen in der ersten Phase der Corona-Krise. Diese ist von Reiseverboten, Quarantäne, Ausgangsbeschränkungen und wirtschaftlichen Problemen geprägt. Insbesondere die sozialen und ökonomischen Auswirkungen der Krise sind bis heute nicht absehbar. Untersuchungen und Analysen unterschiedlichster Forscher veröffentlichen nach und nach Einschätzungen und Bewertungen der Situation, sodass wir immer mehr Informationen erhalten. Diese Informationen verunsichern insbesondere die Nachfrageseite. Ob eine Reise in diesem Sommer möglich ist? Diese Frage kann heute niemand beantworten. Die Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen und die Kontaktverringerungen zeigen, dass keine Entwarnung in Sicht ist. Die flächendeckenden Schließungen von Einrichtungen aller Art führen zu existenziellen Problemen, Insolvenzen speziell auch im Gastgewerbe, u.ä. – Wer weiß wie viele Einrichtungen den Weg aus der Krise finden? Das Ergebnis der Befragung ist somit keine Überraschung: Die gegenwärtige Geschäftslage wird in der zweiten Befragungswoche (24.03. bis 31.03.2020) noch schlechter eingeschätzt als vor einer Woche. Dementsprechend wird auch die Geschäftserwartung für die nächsten drei Monate gleichbleibend schlecht bewertet. Einige wenige Optimisten blicken positiv in die nahe Zukunft. Hingegen bewerten knapp zwei Drittel der Teilnehmer die Zukunft noch schlechter als die Gegenwart. Ist die Spitze der Belastung noch nicht erreicht? Kann es noch schlechter werden?

Sparmaßnahmen bestimmen im Moment das Handeln der Orte

Die Ergebnisse aus dem Bereich „Rückgänge und Neubuchungen“ zeigen: Es hat alle getroffen – touristische Aktivitäten gibt es gegenwärtig nicht. Wenn es einige wenige Neubuchungen gibt, liegen diese in Relation zu den Vorjahren unter 25%. Aber: Es zeigen sich auch gleichzeitig optimistischere Sichtweisen. Im zweiten Quartal des Jahres werden Buchungen erwartet. Die Hoffnung ist vorhanden. Einige fordern heute schon die strengen Corona-Maßnahmen wieder zu lockern. Antworten auf die Fragen „Wie lange werden die Ausgangsbeschränkungen noch anhalten?“ und „Wann wird das Reiseverbot gelockert oder gar aufgehoben?“ sind im Moment reine Spekulation.

Die Lage ist ungewiss und gleichzeitig gegenwärtig eindeutig. Entsprechend haben auch die Heilbäder und Kurorte erste Maßnahmen zur Kostenreduzierung eingeleitet. Dabei stehen die Kürzung von (Marketing-) Budgets und auch die Verschiebung von Ersatz- und Neuinvestitionen in beiden Wochen an erster Stelle. Zusätzlich war die erste Woche geprägt von Maßnahmen wie Überstunden- und Urlaubsabbau, Verlagerungen der Mitarbeiter, u.ä. Die zweite Woche zeigt, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen. Drastischere Maßnahmen wurden ergriffen – der Ernst der Lage ist angekommen. Dazu gehören unter anderem Haushaltssperren aber auch Kürzungen bei Dienstleistern.

Chancen für Heilbäder & Kurorte als gesundheitliche Kompetenz- und Versorgungszentren am Horizont

Nichtsdestotrotz: Wir möchten den Heilbädern und Kurorten Mut machen, denn es wird einen „Wiederstart“ und einen „Wiederaufbau“ geben. Die Heilbäder und Kurorte sind gesundheitliche Kompetenz- und Versorgungszentren und verfügen über spezielle Indikationen. Mit der heute schon bestehenden Infrastruktur von Kur- und Rehabilitationsärzten, spezialisierten Kur- und Fachkliniken und weiteren kurörtlichen Einrichtungen (Kurpark, Kurmittelhaus, etc.) sind diese rund 350 Heilbäder und Kurorte heute schon auf einige Folgen der Corona-Krise vorbereitet. Welche Folgen und Perspektiven für die Heilbäder und Kurorte bestehen, werden wir Ihnen in einem der folgenden Blogbeitrage erläutern.

Gerne möchten wir Sie heute schon bitten, sich an der Befragung auch in dieser Woche zu beteiligen. Auch weiterhin werden wir Ihnen in regelmäßigen Zeitabständen Auswertungen vorstellen. Haben Sie Rückfragen? Sprechen Sie uns gerne an!


Geschrieben von Isabell Decker und Detlef Jarosch

Isabell Decker

Ich bin Consultant bei der PROJECT M GmbH, einer Unternehmensberatung, die führend im Medizin- und Gesundheitstourismus ist. Ich bin verantwortlich für das Kompetenzfeld Gesundheit und befasse mich intensiv mit dem Gesundheitstourismus, bin in unterschiedlichsten Kurorten und Heilbädern von den Bergen bis zur See unterwegs und auf Landesebene aktiv. Besonders spannend ist dabei die Zusammenarbeit sowohl mit Touristikern als auch Medizinern. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der zielgruppenspezifischen Vermarktung gesundheitstouristischer Angebote und Produkte.


Detlef Jarosch

Ich bin Standortleiter München der PROJECT M GmbH und standortübergreifender Bereichs-leiter (gesundheitsorientierte) Infrastruktur. Ich habe mich speziell der Erlebbarmachung des Gesundheitstourismus und dem nachhaltigen Betrieb entsprechender Infrastruktur verschrie- ben und verstehe gesundheitstouristische Einrichtungen als Erlebnisraum. In meiner Zeit als Regionalmanager, Projektmanager und Geschäftsführer in unterschiedlichen Gesundheits- regionen verfolgte ich genau diese Ziele. Das einzigartige PPP-Projekt Oversum Vitalresort Winterberg (NRW), welches ich als verantwortlicher Projektsteuerer mitentwickelte, ist ein geeignetes Beispiel für meine Vorstellung von zeitgemäßer Produktentwicklung im Gesundheitstourismus.


2 Kommentare

  1. Kastrau sagt:

    Moin,
    leider lassen sich die Umfrage-Visuals nicht herunterladen. Gibt es hier einen Trick?
    Viele Grüße und bleiben Sie gesund
    Daniela Kastrau

    • Isabell Decker sagt:

      Sehr geehrte Frau Kastrau, wir bedanken uns herzlichst für Ihren Hinweis. Wir haben die Infografiken nun in PDF-Format bereitgestellt. Einem Download sollte nichts mehr im Wege stehen. Wir würden uns freuen, wenn Sie auch in dieser Woche an der Befragung teilnehmen! Herzliche Grüße Isabell Decker (PROJECT M)

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