Nachhaltigkeit und nachhaltig aufgestellte Orte und Betriebe als Wegweiser für eine erfolgreiche Zukunft im Gesundheitstourismus

Über die Entwicklung von Kur zu Care und die damit verbundenen Potenziale für Kurorte und deren Schlüsselbetriebe, wie Spa-, Thermen oder auch Bäder-Einrichtungen, haben wir in unserem letzten Blog-Artikel berichtet. Nur ein Ergebnis unserer Kurorte-Konferenz 2023 mit Zukunftsblick im Bereich Gesundheits- und Wellness-Tourismus.

Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind verschiedene gesellschaftliche Veränderungen und die so genannten Mega-Trends, welche die Kurorte und Heilbäder heute maßgeblich beeinflussen. Stichwort: Neo-Ökologie. Im Mittelpunkt steht hier das (zwangsweise) wachsende Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein der Menschen.

Ziel ist die notwendige Transformation von der reinen Wachstums- zur Nachhaltigkeitsgesellschaft („Blaue Ökologie“). Es kommt zur Versöhnung von Ökonomie und Ökologie. Der Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen wird immer wichtiger, die Achtsamkeit mit der Natur und den Menschen ebenso.

Politikwissenschaftler und Zukunftsforscher Dr. Daniel Dettling erläuterte im Rahmen der Konferenz hierzu den Wandel von der grünen zur blauen Ökologie: Wird der („bisherige“) Begriff der Ökologie, die „grüne Ökologie“, mit negativen Begriffen, wie Verlust, Verzicht oder auch Knappheit assoziiert, ist die „blaue Ökologie“ im Unterschied zur grünen keine Verzichts-Ökologie, so Dr. Dettling. Das Bewusstsein der Menschen gilt es in die Richtung eines neuen Ökologie-Begriffs zu lenken, der für Fülle, Kreativität, Technik, Schönheit oder auch Achtsamkeit steht.

Nachhaltigkeit ist Pflicht und Zukunft zugleich

Auch hier können und müssen Heilbäder und Kurorte thematisch anknüpfen. Im Mittelpunkt stehen hier Aspekte wie Nachhaltigkeit, Erlebnis und auch Inszenierung.

Eine Handlungsebene ist damit die Notwendigkeit der gezielten Weiterentwicklung / Zukunftssicherung von gesundheitsfördernden Einrichtungen und Betrieben, wie Thermen und Bädern zu einer ganzheitlich verstandenen Nachhaltigkeit, als wesentlicher Bestandteil zukunftsgerichteter Kurorte.

Was bedeutet Nachhaltigkeit in Einrichtungen dabei genau? Nachhaltigkeit fußt bekanntlich auf drei Säulen: ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Drei Säulen, die sich gegenseitig beeinflussen und langfristig in einem Gleichgewicht zueinander stehen müssen. Nachhaltigkeit ist damit nicht nur Ressourceneffizienz bzw. der Einsatz von ressourcenschonenden Materialien, sondern beinhaltet auch Aspekte wie Qualität, Regionalität und die bereits angeführte Mobilität und auch die Verantwortlichkeit gegenüber den Mitarbeitenden und der Region (aus Betriebssicht) als zwei Facetten der sozialen Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist somit ganzheitlich zu betrachten. Entscheidend ist darüber hinaus, dass Nachhaltigkeit als Gemeinschaftsaufgabe von Orten, Verbänden, Betrieben und Leistungsträger: innen verstanden wird.

Auch im Rahmen der von uns durchgeführten Studie zur „Zukunftsfähigkeit der Heilbäder und Kurorte“ haben wir den Blick auf die aktuelle Situation und hier die nachhaltige Ausrichtung von und in der Thermen-, Spa- und Bäderlandschaft gelegt; mit folgendem Ergebnis: Nachhaltigkeit ist in den kurörtlichen Schlüsselinfrastrukturen ein relevantes Thema; insbesondere vor dem Hintergrund der damit verbundenen langfristigen Kostenoptimierung. Wesentliche Stellschrauben zur Kosteneinsparung im operativen Betrieb sind für 80% der Befragten das Energiemanagement, Investition in effizientere Technologien, speziell regenerative Energien. Entsprechend planen ca. 60% der Einrichtungen Maßnahmen in 2023.

Quelle: PROJECT M 2023

Nachhaltigkeit in der Umsetzung muss messbar und nachweisbar dokumentiert sein

Nachhaltigkeit bringt Zukunft und Erfolg. Sich entsprechend zu positionieren, Angebote und Produkte und Betriebe darauf auszurichten, wird in Zukunft kein Wettbewerbsvorteil oder eine Marketingstrategie, sondern eine Verpflichtung an Mensch und Umwelt sein.

Gerade in Sachen nachhaltige Mobilität haben nahezu alle Städte und noch stärker die ländlichen Regionen einen enormen Entwicklungsbedarf, denen sie entsprechend begegnen müssen, um den gesellschaftlichen Veränderungen Stand zu halten.

Nachhaltigkeit ist insofern auch Pflicht. Denn Nachhaltigkeit ist immer stärker gesetzlich verankert, der Schlüssel zu finanziellen Zuwendungen und nachhaltig zu handeln, ist zunehmend mit der Einhaltung von ganz speziellen Nachhaltigkeitskriterien verknüpft. Die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung ist seit geraumer Zeit auch Leitprinzip in der Politik. In der Keynote „Gesundheit und Nachhaltigkeit – Kür oder Pflicht“ gab Peter Bachmann vom Sentinel Haus Institut einen tieferen Einblick in die Rahmenbedingungen nachhaltiger Entwicklung.

Quelle: Sentinel Haus Institut 2023, Peter Bachmann

Richtlinien, wie der European Green Deal oder das Lieferkettengesetz müssen berücksichtigt, Nachweise und Nachhaltigkeitsberichte angefertigt werden. Im Rahmen der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen werden Unternehmen verpflichtet, detaillierte Informationen zu Nachhaltigkeitsaspekten zu veröffentlichen.

Darauf müssen sich die Heilbäder und Kurorte einstellen, denn an einer nachhaltigen Entwicklung führt künftig kein Weg mehr vorbei. Kurorte, welche sich in Bezug auf die Nachhaltigkeit entsprechend positionieren und handeln, werden in Zukunft erfolgreicher sein. Wollt Ihr mehr zum Thema Nachhaltigkeit erfahren, dann hört gern in unseren Podcast mit Suzann Heinemann von Green Sign Institut rein. https://on.soundcloud.com/qafwz

Mehr Ergebnisse und Erkenntnisse sowie Lösungsansätze für eine erfolgreiche Zukunft der Heilbäder und Kurorte und der Betriebe folgen demnächst. Bleibt dran.


Geschrieben von Dr. Katja Zielke und Detlef Jarosch

Dr. Katja Zielke

Ich bin Senior-Consultant bei der PROJECT M GmbH, einer Strategieberatung für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft, die führend im Gesundheits- und Wellnesstourismus ist. Ich bin seit mehr als 18 Jahren in der Tourismus-, Hotel-, Spa- & Gesundheitsbranche tätig und hier schwerpunktmäßig in der strategischen Entwicklung und Positionierung, sowie Marketing & Vertrieb von neuen und bestehenden Spa-, Wellness- und Gesundheitseinrichtungen. Besonders spannend ist dabei die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren u.a. aus Hotellerie, Medizin und auch Kurorten und Heilbäderverbänden entlang der gesamten Leistungskette - angefangen von der strategischen Analyse über die Konzeption und Produktentwicklung bis zur zielgruppenspezifischen Vermarktung und zur Umsetzungsbegleitung.


Detlef Jarosch

Ich bin Standortleiter München der PROJECT M GmbH und standortübergreifender Bereichs-leiter (gesundheitsorientierte) Infrastruktur. Ich habe mich speziell der Erlebbarmachung des Gesundheitstourismus und dem nachhaltigen Betrieb entsprechender Infrastruktur verschrie- ben und verstehe gesundheitstouristische Einrichtungen als Erlebnisraum. In meiner Zeit als Regionalmanager, Projektmanager und Geschäftsführer in unterschiedlichen Gesundheits- regionen verfolgte ich genau diese Ziele. Das einzigartige PPP-Projekt Oversum Vitalresort Winterberg (NRW), welches ich als verantwortlicher Projektsteuerer mitentwickelte, ist ein geeignetes Beispiel für meine Vorstellung von zeitgemäßer Produktentwicklung im Gesundheitstourismus.


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