Umfrage – Kurorte-Klima: Überblick über die aktuelle Geschäftslage und Auswirkungen auf Heilbäder und Kurorte – Die 27. Woche.

Seit Anfang April 2021 ergänzen die niedergelassenen Ärzte neben den Impfzentren als zweite Säule die Impfstrategie und tragen damit zur Eindämmung der Pandemie bei. Bis zum 04.07. wurden in Deutschland rund 77.300.000 Impfdosen verabreicht. Damit sind nun rund 32.360.000 Personen (38,9 % der Gesamtbevölkerung) vollständig geimpft. Insgesamt haben über 46.970.000 Personen (56,5 %) mindestens eine Impf­dosis erhalten (Bundesministerium für Gesundheit, Stand 04.07.2021).

Mit den Lockerungen des öffentlichen Lebens öffnen allmählich auch die Einrichtungen in den Heilbädern und Kurorten Ihre Tore. Zuletzt zeichnet sich jedoch eine verstärkte Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland ab, welche das kontinuierliche Senken der Corona-Zahlen vorläufig gestoppt hat.

Tourismus läuft wieder an. Geschäftslage und Erwartungen verbessern sich deutlich.

Wegen der stark gesunkenen Zahlen wurden in nahezu allen Regionen Deutschlands Lockerungen der Corona-Maßnahmen umgesetzt beziehungsweise sind in Planung für eine baldige Umsetzung. Die bundesweite Notbremse, die ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 deutschlandweit einheitliche Regelungen vorgab, ist zum 30. Juni 2021 ausgelaufen. Dieser Nachricht erfreuen sich damit auch die Heilbäder und Kurorte in Deutschland. Nach fast sechsmonatiger Zwangspause konnten im Mai auch viele Anbieter der Heilbäder und Kurorte, darunter Thermal- und Schwimmbäder, schrittweise und unter Auflagen wieder eröffnen.

Die jüngsten Entwicklungen spiegeln sich auch in der Bewertung der Geschäftslage wider. Heute bewerten knapp drei Viertel der Teilnehmer die gegenwärtige Geschäftslage in Ihrem Kurort als befriedigend (60,87%) oder gut (11,59%). Gegenüber dem letzten Kurorte-Klima (19.01.2021), zu welchem 85% der Beteiligten die gegenwärtige Geschäftslage in ihrem Ort als schlecht bewerteten, zeichnet sich heute ein weitaus positiveres Bild ab. Die Geschäftserwartungen werden von den Teilnehmern heute ebenfalls wesentlich besser bewertet als noch zu Jahresbeginn. Heute bewerten 60,9% der Teilnehmer die Geschäftserwartungen für die nächsten drei Monate als besser, weitere 37,7% erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage, nur 1,4% der Teilnehmer bewerten die Situation in den nächsten drei Monaten schlechter als zum heutigen Zeitpunkt.

Deutschland und Europa rücken als Reiseziele in den Vordergrund.

Auch die Nachfrageentwicklung zeigt im Vergleich zum letzten Kurorte-Klima einen deutlichen Fortschritt. Rund zwei Drittel der Teilnehmenden erwarten im 3. Quartal 2021eine steigende Nachfrage im eigenen Heilbad oder Kurort. Eine neueste Studie des Marktforschungsinstituts GIM research „Reisen 2021 – GIM-Studie zu aktuellen Reiseabsichten der Deutschen“ untermauert die positiven Tendenzen des Kurorte-Klimas. Danach planen 48% der Befragten einen Haupt-Urlaub im In- oder Ausland für das Jahr 2021, darunter geben 44% Europa als Reiseziel an, 37% der Befragten planen eine Haupt-Urlaubsreise im Inland. Nur 15% der Befragten geben eine Destination außerhalb Europas als Reiseziel an.  Gründe für die verzögerten Reiseplanungen sind laut GIM-Studie eine weiter zu unsichere Lage aufgrund von Corona, zu viele Urlaubsländer, die als unsicher gelten oder auch die Unsicherheit zu fliegen.

Die Effekte der Massen-Impfung werden zum aktuellen Zeitpunkt von den Teilnehmern perspektivisch positiv bewerten. Im dritten Quartal gehen die Teilnehmer noch von vorsichtigen Effekten aus. Über 60% der Befragten erwarten entweder keinen oder nur einen Anstieg von bis zu 25% der Nachfrage. Ab dem vierten Quartal diesen Jahres erhoffen die Teilnehmenden auch die Effekte der Impfung leicht in den Gästezahlen zu bemerken. Noch deutlicher wird es ab dem ersten Quartal des neuen Jahres 2022. Hier erhofft sich mehr ein Viertel der Teilnehmer eine Steigerung der Nachfrage von mehr als 50 (16,36 %) und 75 (9,09 %) Prozent.

Die Reiselust der Menschen und eine verstärkte Nachfrage nach inländischen Reisen als wesentliche Nachfragetreiber für den kurörtlichen Tourismus.

Die Hoffnung auf eine positive Nachfrage ruhen insbesondere auf drei Faktoren: Einerseits wird von mehr als 85% der Befragten eine Reiselust der Menschen nach den coronabedingten Reisebeschränkungen erwartet. Hinzu erhoffen über 67% der Befragten ein neues Interesse und eine verstärkte Nachfrage nach inländischen Reisen, worin sich die Kurorte-Umfrage auch mit den Ergebnissen des Marktforschungsinstituts GIM deckt. Rund die Hälfte der Befragten sieht den zunehmenden Impffortschritt als wichtigen Nachfragetreiber für den kurörtlichen Tourismus, je 44% respektive 42% entfallen auf die das zunehmende Gesundheitsbewusstsein der Menschen und stärkere Angebote im Bereich die Reiseerleichterungen durch den digitalen Gesundheitspass. Stärkere Angebote im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung sehen rund 10% der Teilnehmer als Nachfragetreiber für den Tourismus in den Heilbädern und Kurorten.

Weiteren Aufschwung nach der Corona-Durststrecke bringt hoffentlich der jüngst gefasste Beschluss des Gesundheitsausschusses des deutschen Bundestages mit sich, die Kur wieder als kassenfinanzierte Pflichtleistung für die Versicherten einzuführen. Durch das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) werden ambulante und stationäre Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten von Ermessens- zu Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Mit diesem Thema und den damit verbundenen Chancen und Anforderungen für die Heilbäder und Kurorte werden wir uns im Herbst im Rahmen einer weiteren digitalen Kurorte-Konferenz im Herbst befassen. Näheres folgt in Bälde.

Auch weiterhin sind wir sehr gespannt wie Sie als Experten vor Ort die Lage in den nächsten Wochen bewerten werden und möchten Sie auch heute schon bitten, sich an der Befragung auch in den kommenden Wochen zu beteiligen. Haben Sie Rückfragen? Sprechen Sie uns an.


Geschrieben von Detlef Jarosch

Ich bin Standortleiter München der PROJECT M GmbH und standortübergreifender Bereichs-leiter (gesundheitsorientierte) Infrastruktur. Ich habe mich speziell der Erlebbarmachung des Gesundheitstourismus und dem nachhaltigen Betrieb entsprechender Infrastruktur verschrie- ben und verstehe gesundheitstouristische Einrichtungen als Erlebnisraum. In meiner Zeit als Regionalmanager, Projektmanager und Geschäftsführer in unterschiedlichen Gesundheits- regionen verfolgte ich genau diese Ziele. Das einzigartige PPP-Projekt Oversum Vitalresort Winterberg (NRW), welches ich als verantwortlicher Projektsteuerer mitentwickelte, ist ein geeignetes Beispiel für meine Vorstellung von zeitgemäßer Produktentwicklung im Gesundheitstourismus.


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