Wissenstransfer im Gesundheitstourismus

Gesundheitstourismus bedeutet enge Zusammenarbeit zwischen drei unterschiedlichen Branchen und Bereichen: Medizin, Gesundheitswirtschaft und Tourismus. Alle, die im Gesundheitstourismus schon einmal aktiv waren, kennen die Herausforderungen, die sich hieraus ergeben: Touristikern sind die Bereiche Medizin und Gesundheit oftmals fremd. Medizinier kennen umgekehrt die medizinischen Bedürfnisse von Patienten Sie wissen aber oft nicht, worauf diese im Urlaub bzw. touristischen Umfeld Wert legen. Umso wichtiger wird es, die gegenseitige Wissensbasis und Kooperation zu stärken. Es geht also um Know-How und Wissensaustausch. Um Wissen, das miteinander geteilt und angewendet werden muss. Aber woher kommt das Wissen? Wie können Sie sich und Ihre Partner qualifizieren? – Hierzu gibt es Erfahrungen, Projekte und Quellen, von denen wir im Folgenden einige Beispiele zusammen gestellt haben.

Bücher und wissenschaftliche Veröffentlichungen

Zahlreiche Bücher, Studien und wissenschaftliche Veröffentlichungen eine Möglichkeit zur Weiterbildung und Qualifizierung im Gesundheitstourismus dar: Zwei Bücher wollen wir an dieser Stelle heraus greifen, da sie eine besondere Praxisrelevanz haben: „Wandern und Gesundheit“ (Erich Schmidt Verlag 2015, Hrsg. Quack) gibt Ihnen einen spannenden Überblick darüber, wie Sie die zahlreich belegten gesundheitsfördernden Aspekte des Wanderns erfolgreich in Ihre innovative Angebotsentwicklung integrieren. Mit Beiträgen sowohl von Tourismus- und Sportwissenschaftlern als auch Medizinern und Psychologen zeichnet es sich durch einen stark interdisziplinären Ansatz aus. Einen besonders umsetzungsorientierten Ansatz bietet das kürzlich erschienene Buch: „Sport- und Gesundheitstourismus 2030“ (Gabler Verlag 2018, Hrsg.: Heise, P. & Axt-Gandermann, M.). Mit Blick auf die Zukunft thematisiert es im Sinne eines Handlungsleitfadens Anforderungen der „Generation Plus“.

Handlungshilfen und Leitfäden

Mehrere Leitfäden und Handlungshilfen sind in der Zwischenzeit aus Projekten auf Bunddes- und Landesebene entstanden. Den Anfang hat das Projekt „Innovativer Gesundheitstourismus in Deutschland“ 2010 / 2011 gemacht. Hier sind verschiedene Leitfäden und branchenbezogene Handlungshilfen entstanden (siehe www.dtv-gesundheitstourismus.de/leitfaden-und-branchenreports.html).

In Brandenburg wird der Gesundheitstourismus ausgehend von sogenannten Kristallisationspunkten entwickelt. In diesen arbeiten die Branchen Gesundheit und Tourismus bereits Hand in Hand zusammen und haben ein gemeinsames gesundheitstouristisches Profil. Wie sich Orte, Regionen, Netzwerke oder Unternehmen zu einem Kristallisationspunkt entwickeln können, erklärt der neu erschienene Leitfaden „Gesundheitstourismus in Brandenburg – Leitfaden kurz und bündig.“. Anhand zahlreicher Beispiele und praktischer Tipps bietet der Leitfanden eine hilfreiche Anleitung für die erfolgreiche Positionierung der Akteure im Land im Gesundheitstourismus. Leitfäden für die landesspezifische Umsetzung des Gesundheitstourismus finden sich inzwischen auch in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern.

Quelle: Fotolia_79021670_©-aletia2011-Fotolia.com

Innovative Produkt- und Angebotsentwicklung

Qualifizierungsprogramme zur Wissensvermittlung  finden sich  beispielsweise zum ThemaHörkomfort“. Hier werden im Saarland landesweit touristische Partner geschult. Wer an den Seminaren teilgenommen hat, erhält das eigens entwickelte Qualitätssiegel „Hören mit Herz“ und ist zertifizierter Anbieter im „Netzwerk Hören“.

Innovative Produkt- und Angebotsentwicklung wird auch im Projekt „Gesundheitstourismus 4.0“ in Nordrhein-Westfalen groß geschrieben. So widmet sich das Projekt auf zwei Ebenen der Digitalisierung: eHealth-Anwendungen wie z. B. Apps und Wearalbes finden, besonders unter den Sport- und Bewegungsinteressierten, immer mehr Zuspruch und lassen sich in spannende Angebote auch im Gesundheitstourismus integrieren. Der Leitfaden „Gesundheitstourismus 4.0“ zeigt spannende Möglichkeiten auf. Außerdem gibt er detaillierte Einblicke in das Thema Betriebliche Gesundheitsförderung.

Ein Blick über die Landesgrenzen ist ebenfalls lohnend. Hier lassen sich spannende Weiterentwicklungsmaßnahmen für Anbieter im Gesundheitstourismus erkennen. Der Klimawandel stellt die schneeabhängige Wintertourismusregion Tirol vor neue Herausforderungen und fordert dazu auf, Angebote klimaorientiert weiterzuentwickeln. Der Gesundheitstourismus bietet innovative Möglichkeiten, die bisher ungenutzten Potenziale des Natur- und Kulturraums auch im Winter in Wert zu setzen. Mit dem italienisch-österreichischen INTERREG-Projekt WinHealth werden in einer grenzüberschreitenden Qualifizierungsoffensive Innovationsprozesse angetrieben.

Quelle: shutterstock_108739442-Edyta-Pawlowska

Geschrieben von Cornelius Obier

Ich bin Geschäftsführer der PROJECT M GmbH, einer im Gesundheits- und Medizintourismus führenden Unternehmensberatung im deutschsprachigen Raum. Gesundheits- und Medizin-tourismus gehört seit vielen Jahren zu meinen „Steckenpferden“. Seit 1996 habe ich in diesem Markt eine Vielzahl von Beratungsprojekten geleitet, bin Autor mehrerer Fachstudien, werde oft als Moderator oder Referent eingeladen. Medizin und Gesundheit auf der einen, Tou- rismus auf der anderen Seite: Mitunter finden die beiden Branchen nicht leicht zusammen. Ich kenne beide Seiten sehr gut und verstehe mich als Inspirator und Brückenbauer.


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