Waldluft macht gesund – über einen Trend, der sich nun auch in Deutschland durchsetzt.

In Japan weiß man es schon länger: „Shinrin Yoku“, übersetzt bedeutet das in etwa „Waldbaden“, hat einen nachweislich positiven Effekt für Gesundheit und Wohlbefinden. Nun hält die fernöstliche Weisheit auch im Gesundheitstourismus in Deutschland und Österreich Einzug. Mehrere Beispiele zeigen bereits, wie „Waldbaden“ im Gesundheitstourismus funktionieren kann.

Waldaufenthalte gehören zu einem gesunden Lebensstil dazu

Bereits 1982 empfahl die Forest Agency of Japan, sich für einen gesunden Lebensstil öfters in Wäldern aufzuhalten. Im letzten Jahrzehnt haben Wissenschaftler auch nachgewiesen, dass Waldaufenthalte entspannende und stressreduzierende Wirkungen hervorrufen können: Der Parasympathikus wird gesenkt, genauso wie der Puls, der Blutdruck und die Cortisol-Werte. Und bereits nach 20 min treten die ersten positiven Wirkungen auf.

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Quelle: http://www.coca-colacompany.com/stories/shinrin-yoku-the-japanese-art-of-forest-bathing

Wenn nun Coca-Cola über das “Waldbaden” berichtet, kann man behaupten, ein Trend scheint in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Neben den positiven Wirkungen für das Herz-Kreislaufsystem wird effektvoll die vermehrte Bildung von Anti-Aging-Proteinen und Krebskillerzellen vorgestellt.

Auch deutschsprachige Magazine greifen den Trend auf

Sowohl das Fitness Magazin “fit For Fun” als auch das “Outdoor-Magazin” haben sich des “Badens in Waldluft” angenommen und empfehlen es ihren LeserInnen. Diese beiden Artikel berufen sich ebenfalls auf die japanische Tradition des “Shinrin Yoku”. Selbstverständlich werden auch hier die entspannenden und das Wohlbefinden steigernden Wirkungen hervorgehoben.

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Quelle: http://www.fitforfun.de/beauty-wellness/gesundheit/shinrin-yoku-baden-in-der-waldluft-193396.html und www.outdoor-magazin.com/news/people-szene/warum-wandern-gesund-ist.309118.3.htm
Therapeutische Landschaften als gesundheitsfördernde Infrastruktur

Selbst Szene- und Lifestyle orientierte Portale aus dem deutschsprachigen Raum greifen also das Thema Wald und Gesundheit auf. Das Thema ist dabei auch hier nicht neu, man näherte sich auf wissenschaftlicher Ebene dem Thema nur auf eine etwas andere Art und Weise. 1992 prägte der Medizingeograph Wilhelm Gesler den Ausdruck “Therapeutische Landschaften”. Er beschreibt Therapeutische Landschaften als “…solche mit malerischer Kulisse und gesundheitsfördernden Einrichtungen, die vornehmlich der Erholung dienen…“ und „…solche, die durch eine reichhaltige Ausstattung an Gesundheitseinrichtungen gekennzeichnet sind”.

Durch die weite Fassung des Konzeptes beteiligen sich unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen am Diskurs zu den Therapeutischen Landschaften. Dementsprechend breit gefächert sind auch die Erkenntnisse. So z.B., dass der visuelle Zugang zu Natur den Heilungsprozess beschleunigen kann (Medizin), dass der Naturschutz und der vorsorgende Gesundheitsschutz synergetisch einhergehen können (Umweltwissenschaften) oder dass Landschaften “empathische Spiegel” darstellen können, welche unsere Gefühlszustände spiegeln können (Psychologie).

Es existieren inzwischen einige Beispiele, dass “Therapeutische Landschaften” oder das “Waldbaden” keine theoretischen Konstrukte oder rein trendige Aufhänger sind, sondern als innovative Produkte am Markt funktionieren können. Das bekannteste Produkt am Markt derzeit ist das GesundLand Vulkaneifel. Aufgebaut auf dem Konzept der Therapeutischen Landschaften vermarktet die Vulkaneifel ihr GesundLand äußerst attraktiv.

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Quelle: http://www.gesundland-vulkaneifel.de/gesundland/therapeutische-landschaft.html
Kur- und Heilwälder als weiterer Zugang zur gesundheitsförderdnen Wirkung von Natur und Landschaft

Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist einen etwas anderen Weg gegangen. Im Nordosten der Republik hat man die Möglichkeit zur Ausweisung von Kur- und Heilwäldern sogar in das Landesforstgesetz aufgenommen (§ 22 LWaldG Mecklenburg-Vorpommern). Ein Kriterienkatalog dient als Voraussetzung für die Ausweisung. Vor allem bei Indikationen wie Erkrankungen des Bewegungsapparates, neurologischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einigen anderen eignen sich Kur- und Heilwälder als Therapiesetting. Dies ist gerade für Kur- und Heilbäder eine sehr spannende Entwicklung. Denn es passt an diesen Orten nicht nur das namentliche Fitting, sondern gerade die Anbindung an Kurkliniken und weitere Kureinrichtungen ist doch hierfür geradezu prädestiniert. Und so wäre für Kur- und Heilbäder ein perfekter Brückenschlag  zum “Waldbaden” möglich. Ich bin überzeugt, das Bad in der Waldluft wird sich weiterhin einer wachsenden Beliebtheit erfreuen und darauf ausgerichtete Angebote können für Kur- und Heilbäder zu einer Profilierung im dynamischen Markt des Gesundheitstourismus führen.

 


Geschrieben von Felix Wölfle

Viele unserer Artgenossen sourcen ihre Gesundheit an den ersten Gesundheitsmarkt out, ohne sich eigene Gedanken zu machen. Doch wir sind mit unserem Lebensstil vor allem selbst für sie verantwortlich. Daher liegt mir die Bewusstmachung der Eigenverantwortung am Herzen. Als Senior Consultant bei der PROJECT M GmbH helfe ich der Tourismusbranche, die Eigenverantwortung der Gäste und Einheimischen zu stärken und den Gesundheitstourismus an den Signalen der Bevölkerung auszurichten. Dies habe ich bereits vor, während und nach meiner Promotion an der Sporthochschule Köln in vielen Projekten umgesetzt.


2 Kommentare

  1. M.S.Groß sagt:

    Ja, auch ein schönes Beispiel ist das seit mindestens 2014 propagierte Marketingthema “Waldwellness Thüringen” der Thüringer Tourismus GmbH:
    https://www.thueringen-entdecken.de/urlaub-hotel-reisen/wald-wellness-136838.html

  2. Anne Dorweiler sagt:

    Auch das Wirtschaftsforum Waldviertel (Steiermark) nimmt sich dem Thema an. Auftakt der Symposiums-Reihe „Der Wald als Chance“ mit Erfahrungsberichten aus „Pilotwäldern“ in Mecklenburg-Vorpommern und Input aus der Forschung durch die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg sowie die FH Krems:
    http://www.stadtlandzeitung.com/aktuelles/der-wald-ist-mehr-als-die-summe-seiner-baeume/

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