Branchen-Barometer: Thermen & SPA 360°

Warum jetzt ein Branchen-Barometer für Thermen & SPA wichtig ist: Die Thermen-, Bäder und SPA-Branche in Deutschland, Österreich und der Schweiz befindet sich im Wandel: steigende Energiekosten, wachsende Erwartungen an[…] weiterlesen

Author: Detlef Jarosch

Tourismus-Experten schätzen die Lage ein …

Thomas Jahn, Geschäftsführer der AIB-Kur GmbH und Vorsitzender des Marketingausschusses des Bayerischen Heilbäder-Verband e.V. und Stefan Krieger, Geschäftsführer der Staatsbad Salzuflen GmbH schätzen die Lage ein. Zusätzlich konnten wir mit dem Heilbäderverband Baden-Württemberg e.V. (HBV BW) sprechen und erste Einschätzungen für Baden-Württemberg erhalten:

Wie bewerten Sie die gegenwärtige Geschäftslage der Heilbäder und Kurorte, wie die Geschäftserwartungen der Heilbäder und Kurorte für die nächsten 3 Monate?

Jahn: Es ist davon auszugehen, dass die Umsätze dramatisch einbrechen werden. Tatsache ist, dass sowohl die Gastgeber als auch Gastronomie und Einzelhandel mehr oder weniger komplett still-stehen. Je nach Dauer der jetzt durchgesetzten Maßnahmen rechnen wir mit einem Einbruch von 40% und mehr.

Krieger: Was kommt, wird sich zeigen. Das Coronavirus hat den Tourismus, die Hotellerie und Gastronomie hart getroffen und wird in der Branche Spuren hinterlassen. Gebot der Stunde ist es, nach Vorgabe der Politik Maßnahmenkataloge zu erlassen, die vor allem ein Ziel haben müssen: Gäste, Einwohner, Mitarbeiter und Patienten zu schützen und die Epidemie zeitlich und räumlich zu verlangsamen. Zugleich müssen wir bei der Akutversorgung helfen, wo wir helfen können. Das Staatsbad Salzuflen wird dies aktiv tun und in Absprache mit der im Staatsbad Vitalzentrum unter-gebrachten internistischen Praxis ein Corona-Schnelltest-Zentrum einrichten. Zudem sind wir im Gespräch mit Hotels, die Betten zur Behandlung von Corona-Patienten zur Verfügung stellen wollen.

HBV BW: Die wirtschaftlichen Auswirkungen durch Covid-19 sind für die Heilbäder und Kurorte in Baden-Württemberg, wie für den gesamten Tourismus, massiv. So bemüht sich ein Großteil der Einrichtungen aktuell um Kurzarbeitergeld. Die Folgen sind abschließend nicht absehbar. Wir gehen aktuell von einem massiven Verlust von Fachkräften aus. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass in den kommenden Monaten ein Großteil an finanziellen Rücklagen aufgebraucht sein wird und dies auf mehrere Jahre negative Auswirkungen auf die Innovationsentwicklung haben könnte.

Welche sind die größten Herausforderungen hinsichtlich COVID-19 für die Heilbäder und Kurorte?

Krieger: Wir müssen uns intensive Gedanken darüber machen, welches Angebot zur Langzeit-versorgung von Patienten wir aus der Krise heraus formulieren können. Ich gehe davon aus, dass die Allergien, Lungen- und Atemwegserkrankungen infolge von Corona in den kommenden Jahren stark zunehmen werden. Das ist eine große Chance für Heilbäder und Kurorte ihre Stärken auszuspielen und/oder sich neu zu positionieren.

Jahn: Neben den Gastgebern und der Gastronomie betrifft diese Krise auch die gesamte Leistungskette der Gesundheitsbranche. Die Reha-Kliniken minimieren die Ankünfte oder bereiten sich auf Schließungen vor, die Fachkliniken reduzieren Patienten und auch im ambulanten Bereich fallen fast alle Termine aus. Insofern müssen wir für alle Leistungsträger in unseren Orten Lösungen finden, wie sie diese Zeit überstehen.

Welche Maßnahmen müssen aus Ihrer Sicht als erstes ergriffen werden?

Jahn: Wir müssen dafür sorgen, dass die Betriebe ausreichend Liquidität zur Verfügung haben. Für uns in Bayern ist es eine große Hilfe, dass wir das Sofort-Programm für die Unternehmen bekommen haben. Ein ganz wichtiger Schritt, da ausgedehnt die Ausfallzeiten länger werden. Dazu braucht es klare Ansagen und Perspektiven, damit die Unternehmen planen können.

HBV BW:  Kurzfristig sind aus Sicht unserer Mitglieder Handreichungen (Bsp.: Tipps für Leistungsträger, wie man mit der aktuellen Situation umgehen kann/soll, Rechtsauskünfte und Handlungsempfehlungen), eine klare Organisation der Abläufe (Zuständigkeiten, Ansprechpartner/innen) und finanzielle Unterstützungen ohne hohen bürokratischen Aufwand (Liquiditätshilfen, finanzieller Ausgleich für entgangene Einnahmen, kurzfristige (zinslose) Kredite etc.) von Nöten. Darüber hinaus muss die Versorgung der Rehabilitationspatientinnen und -patienten sichergestellt werden. Auf mittel- und langfristige Sicht sind unserer Mitgliederbefragung zufolge Zuschüsse für Marketing- und Konjunkturprogramme, Fördermaßnahmen, Steuererlass sowie Senkung der MWSt. bspw. auf Essen, Getränke, Thermen- und Saunaeintritt erforderlich. Eine schnelle Bereitstellung der angekündigten Geldmittel zur Liquiditätssicherung ist dabei die Grundvoraussetzung.   

Wir bedanken uns herzlichst bei unseren Interviewpartnern:

Weiterlesen

Bad Salzuflen: Digitalster Kurort Deutschlands?!

Seit einigen Jahren ist der Megatrend Digitalisierung auch aus der Tourismusbranche nicht mehr wegzudenken. Doch was bedeutet das eigentlich für Kurorte und Heilbäder in der Praxis? Und wie können sie Digitalisierung sinnvoll für sich nutzen und umsetzen?

Das im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe gelegene Staatsbad Salzuflen macht’s vor: Digitalisierung wird hier großgeschrieben. Kurdirektor und Geschäftsführer der Staatsbad Salzuflen GmbH Stefan Krieger hat das Ziel „Bad Salzuflen zum digitalsten Kurort Deutschlands“ zu machen. Grundlage hierfür bildet die digitale Kurkarte mit u.a. der Aufbuchungsmöglichkeit von Erlebnissen, dem Produktkauf und der dazu korrespondierende digitale Gesamtauftritt mit Homepage und Buchungsplattform sowie die gezielte Bespielung relevanter Social-Media-Kanäle. Die Umsetzung läuft bis zur Saisoneröffnung auf Hochtouren und ermöglicht entlang der Customer Journey von der Inspiration über die Information bis zur Buchung und die Anreise eine digitale Durchgängigkeit.


Kurpark Bad Salzuflen © feratel.com

Damit der Gast aber auch vor Ort ein „digitales Erlebnis“ erfährt, werden ihm bereits heute schon an ausgewählten Plätzen in der Stadt auf Anforderung an digitalen Hörstationen authentische Geschichten über die Entwicklung der Stadt „erzählt“ und Verweise auf weitere (künftige) Erlebnispunkte gegeben. Ab Sommer/ Herbst 2019 wird der digital gestützte Erlebnisraum der Gesundheits- und Tourismusstadt durch die Eröffnung der „Erlebniswelt Sole & Kneipp“ in Kurpark und Wandelhalle ergänzt. Durch eine Kombination von digitalen und analogen Elementen mit interaktiv nutzbarem Content, werden die örtlichen Prädikate Sole und Kneipp auf einzigartige und innovative Weise für jeden erlebbar. Den Zugang und die Nutzung der Stationen ermöglicht wiederum die digitale Kurkarte.

Das Herzstück bilden dabei laut Herrn Kurdirektor Krieger Glaspavillons als sogenannte „Sekundärarchitektur“ mit interaktiver und vertiefter Wissensvermittlung durch eine abwechslungsreiche Szenographie. Im Mittelpunkt für den Gast stehen dabei Geschichten und Wissenswertes zu den Prädikaten Sole und Kneipp, dem Aspekt Gesundheitsförderung und was man dafür in der Stadt alles machen kann und der Bad Salzufler Geschichte als Gesundheitsstadt im Wandel der Zeit. Diese Pavillons befinden sich sowohl in der Wandelhalle als auch im Kurpark sowie künftig an weiteren Orten der Stadt als wiederkehrendes Erkennungsmerkmal.

Impressionen: Glaspavillons als Sekundärarchitektur © Gunter Thurner

Hier ein paar Ausschnitte aus den in Umsetzung befindlichen Angeboten der Erlebniswelt Sole & Kneipp zur Veranschaulichung: Im sogenannten Gesundheitspavillon etwa erwarten die Besucher gleich mehrere innovative Highlights wie beispielsweise das mit einer App verknüpfte Laufband, welches den Nutzer mittels Tablet-Navigation in verschiedene virtuelle Laufumgebungen versetzt; oder aber der interaktive Avatar, der mittels Finger-Sensorik Körperfunktionen wie Herzschlag und Blutkreislauf sichtbar werden lässt. In der Brunnenhalle können Besucher nicht nur das Wasser des wieder in Gang gesetzten Trinkbrunnens probieren, sondern auch verschiedenste „Weltwässer“, zu denen sie sich per Touchscreen Informationen einholen und diese sogar per Knopfdruck nach Hause liefern lassen können. Vorgesehen ist auch eine „digitale Bibliothek“, die immer weiterwachsen wird.

Impressionen: Wandelhalle Bad Salzuflen © Gunter Thurner

Nicht nur Bad Salzuflen nutzt die Möglichkeiten der Digitalisierung und gestaltet den digitalen Wandel im Tourismus aktiv mit. Weitere Kurorte in der Region beabsichtigen nun bereits dazu korrespondierende Konzepte zur Inwertsetzung und Erlebbarkeit ihrer Heilmittel und zum Storytelling umzusetzen, um den „Heilgarten Deutschlands“ in Ostwestfalen-Lippe für alle Generationen noch attraktiver zu gestalten. Damit kommt Bad Salzuflen eindeutig eine Vorreiterrolle zu, die sicherlich noch mehr „Follower“ erreichen wird. Aus Sicht der Autoren befindet sich Bad Salzuflen auf einem guten Weg zum digitalsten Kurort in Deutschland, der gleichzeitig aber auch haptische und analoge Erlebnisse zum Weitererzählen bietet und damit künftig verschiedenste Zielgruppen zu allen Jahreszeiten erreicht. Im nächsten Schritt sollen für die gesundheitstouristischen Anwendungen am Gast bzw. Patienten sogenannte „digitale Assistenzsysteme“ und auch „Chatbots“ eingesetzt werden, wozu bereits Kooperationen mit Hochschulen und den Kliniken laufen. Auch die digitale Nachbetreuung der Gäste ist angedacht, um die digitale Customer Journey abzurunden.   

Weiterlesen

Staatsbad Salzuflen eröffnet Kurpark der neuen Generation

Ein Kurpark, der zum Ausprobieren, Erleben und Anfassen einlädt – Damit begeistert das Staatsbad Salzuflen künftig seine Gäste, Patienten und Einwohner. Das innovative Erlebnisraumkonzept im Zusammenspiel von Kurpark und der im Umbau befindlichen Wandelhalle macht die Profilthemen Sole und Kneipp attraktiv erlebbar. Bad Salzuflen ist seit 2015 als „allergikerfreundliche Kommune“ und seit 2013 als Kneipp-Kurort zertifiziert sowie seit genau 200 Jahren Sole(heil)bad. Pünktlich zum 200-jährigen Sole-Jubiläum am vergangenen Wochenende wurde mit der Eröffnung des modernisierten Kurparks und ersten Erlebnismomenten die erste Stufe der Entwicklung abgeschlossen.

„Die erstaunliche Renaissance der Kurparke. In diesen Orten entsteht Neues“

Die erstaunliche Renaissance der Kurparke. In diesen Orten entsteht Neues.

Denkt man an Kurparks, verbindet man damit meist große Grünflächen mit altem Baumbestand und Blumenbeete, einzelne Wasserflächen zum Füttern von Enten, dazwischen Sitzbänke, eine Kurmuschel für Konzerte und v.a. Ruhe und Beschaulichkeit. Mehr oder minder sehen alle gleich aus. Die Besonderheiten des Ortes werden nicht erkennbar. Eine direkte Verbindung zum Prädikat (z.B. Sole, Kneipp, Moor, …) des Ortes sucht man oft vergeblich.

Weiterlesen

Kurorte-Newsletter Ausgabe 2 liefert Zahlen, Daten und Fakten rund um Prädikate

Das Prädikat gilt traditionell als „Markenzeichen“ der Kurorte, Argument für die Politik und Grundlage zur Erhebung der Kurabgabe. Die unterschiedlichen Prädikate stehen in engem Zusammenhang mit den örtlichen Heilmitteln und der kurörtlichen Infrastruktur. Doch wie ist die Wahrnehmung des Prädikates aus Gästesicht? Was erwarten Gäste von einem prädikatisierten Kurort und reicht das Prädikat selbst zur Gästegewinnung aus?
Diese Fragen und mehr beleuchten wir auf Basis aktueller Marktdaten in der zweiten Ausgabe unseres Kurorte-Newsletters.
Die zweite Ausgabe findet sich hier.

Viel Spaß beim Lesen wünschen
Cornelius Obier, Dr. Andreas Keck, Detlef Jarosch, Sebastian Gries und Anne Dorweiler

Kurorte-Newsletter abonnieren

Die Therme der Zukunft – ein Gesundheitstempel? – Marktchancen und Auswirkungen

Mehrere Hunderttausend Euro Defizit pro Jahr. Veraltete Infrastruktur, zu wenig Erneuerungsinvestitionen. Keine Alleinstellung, nur me too-Konzepte. Gegenstand permanenter Diskussion in der Politik: Manchem Verantwortlichen in Heilbädern und Kurorten treibt schon der Wortlaut „Thermen und Bäder“ den Schweiß auf die Stirn. Doch es zeichnen sich neue Lösungen ab: weniger Spaß & Spa, mehr Gesundheit.