Fortsetzung der Studienreihe „Kompetenzanalyse Heilbäder und Kurorte“ mit Schwerpunkt Wirtschaftlichkeit von einnahmeschaffenden Schlüsselinfrastrukturen

Anhaltend steigender Kostendruck bedingt durch globale Krisen schmälert das Betriebsergebnis und gefährdet die Angebotsstrukturen der Heilbäder und Kurorte

Bereits vor der Pandemie standen die Heilbäder und Kurorte mit ihren kurörtlichen Infrastruktureinrichtungen vor großen Herausforderungen, wie u.a. hoher Investitionsstau, Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe und wachsende Defizite im Betrieb sowie fehlende Rücklagen für dringende Erhaltungs- oder/und Attraktivierungsinvestitionen. Corona-bedingte Besucherrückgänge und damit verbundene Einnahmeausfälle, bei dennoch anfallenden notwendigen Betriebskosten, haben die Situation in den Heilbädern und Kurorten weiter verschärft. Hinzu kommt ein sich immer schneller veränderndes Gäste- und Konsumentenverhalten in Form von weiterhin steigenden Anforderungen an Qualität, Service und insbesondere Sicherheit und Digitalisierung sowohl im Ort selbst als auch in den Einrichtungen. Aktuell kommen einerseits durch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges exorbitant steigende Energiekosten und andererseits durch bereits bestehende und sich weiter veränderte gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen steigende Bau- und Instandhaltungskosten sowie absehbar steigende Personalkosten hinzu. Außerdem steht zu befürchten, dass es die neuen EU-Förderrichtlinien ab 2023 noch deutlich schwieriger machen, öffentliche Mittel für Investitionen in (gesundheits-)touristische Infrastruktur zu erhalten.

Die Corona Pandemie und der Personalmangel, wie in der Bali-Therme Bad Oeynhausen, führten in vielen Bädern zu zeitweisen Schließungen. (Foto: © Thorsten Gödecker)

Schlüsselrolle der einnahmeschaffenden kurörtlichen Infrastrukturen wie Bäder & Thermen, Kurmittelhäuser & Gesundheitszentren sowie Veranstaltungseinrichtungen

Die einzelnen Kurorte und Heilbäder werden diesen Rahmenbedingungen, die Herausforderungen aber zugleich auch Chancen darstellen, in unterschiedlichem Maße durch eine Weiterentwicklung der Infrastruktur und innovativer Angebotsgestaltung begegnen müssen, um sich am Markt zukunftsfähig aufzustellen und zu behaupten. Die seit 2020 (weiter) entstandenen Defizite und das Zurückstellen von notwendigen Investitionen, wie unser jüngster Kurorte-Monitor gezeigt hat (siehe Kurorte-Klima Juli), können nun nicht allein durch die seit diesem Jahr wieder steigende Nachfrage in den Orten kompensiert werden. Vielmehr ist es notwendig, neben adäquaten Beherbergungsangeboten, einem stimmigen Ortsbild, attraktiven öffentlichen Angeboten, insbesondere die Wirtschaftlichkeit speziell der einnahmeschaffenden Schlüsselinfrastrukturen, wie z.B. Bäder und Therme, auch betriebsseitig deutlich zu verbessern. Zusätzlich bedarf es einer klaren Profilierung sowie Optimierung auf der Angebotsseite, um eine höhere Gästeabschöpfung zu erreichen.

Nach der im Jahr 2016 durch die PROJECT M mit KECK medical deutschlandweit durchgeführten Studie „Health Infra“, mit einer detaillierten Aufarbeitung der damaligen Situation, der Entwicklungen und Perspektiven kurörtlicher Infrastrukturen, einer Repräsentativbefragung der Bevölkerung zum Thema Gesundheitstourismus sowie aufbauend auf der in 2022 veröffentlichten Trendstudie „TourismusPerspektive – Trends Cases und Erfolgsfaktoren“ (siehe TourismusPerspektive) soll in diesem Jahr eine aktuelle Erfassung der Situation sowie die Ableitung von konkreten Handlungsempfehlungen auf Basis von Best Practices erfolgen.

Imageprägende Infrastrukturen wie die die Therme Bad Aibling (@ 2022 Therme Bad Aibling) und das bade:haus Norderney (@Staatsbad Norderney GmbH)  stellen für  Heilbäder und Kurorte ein zentrales Profilierungselement dar.

Studie zur Optimierung der kurörtlichen Infrastruktur aus betriebswirtschaftlicher Sicht und unter dem Blickwinkel deutlich veränderter Rahmenbedingungen

Aus unserer Sicht und aus Gesprächen mit zahlreichen unserer Kunden bedarf es insofern eines Zukunftskonzeptes für die Schlüsselinfrastrukturen in den Kurorten und Heilbädern. Auch, um idealerweise ein Umdenken in der Förderpolitik zu erreichen, und die Notwendigkeit gezielter Unterstützungsmaßnahmen auch in Zukunft für die Heilbäder & Kurorte aufzuzeigen. Im Ergebnis soll dieses Zukunftskonzept Antworten auf folgende (Forschungs-)Fragen liefern:

  • Wie sieht die aktuelle Situation in den Heilbädern und Kurorten aus? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?
  • Was ist die adäquate Reaktion auf die gravierenden Marktveränderungen?
  • Was sind die Erfolgsfaktoren für eine wirtschaftlich tragfähige kurörtliche Infrastruktur?
  • Wie müssen sich Einrichtungen wie Thermen und Bäder, Gesundheits- und auch Veranstaltungseinrichtungen zukünftig entwickeln und / oder umorientieren, um Defizite auszugleichen und die kommunale Infrastruktur zu finanzieren (sog. Umkehrrentabilität)?
  • Und wie kann die Optimierung touristischer Infrastruktur finanziert werden, um langfristig die Angebotsstruktur zu erhalten, diese marktgerecht zu positionieren und, um Defizite deutlich zu reduzieren bzw. eine möglichst hohe Wertschöpfung zu generieren?

Geplant ist hierzu eine Befragung in den Kurorten und Heilbädern für Ende des 3., Anfang des 4. Quartals 2022. Parallel werden diese Daten schon jetzt um die bereits kürzlich aktualisierte und seit Anfang der Pandemie im Markt etablierte Kurorte-Klima Studie über diesen Blog ergänzt. Des Weiteren werden in das Zukunftskonzept Daten und Fakten aus dem DestinationQuality-Index für Heilbäder & Kurorte (https://destinationquality.de/) mit einfließen. So wird sichergestellt, dass sämtliche Aspekte und Interessenslagen (Kommune, Tourismus, Gast, Einheimische, Unternehmen) in dem Zukunftsmodell Berücksichtigung finden und profunde Aussagen generiert werden, die langfristig die Schärfung der Positionierung, eine Verbesserung der Zielgruppenansprache sowie eine zukunftsorientierte, nachhaltige Aufstellung der (einnahmeschaffenden) Einrichtungen in Kurorten und Heilbädern ermöglichen.

Verstärkung des Teams Gesundheitstourismus sowie Heilbäder und Kurorte am Standort Hamburg durch die sehr erfahrene Dr. Katja Zielke

Das Projekt-Team, dass sich für die Umsetzung dieser Zukunftsaufgabe verantwortlich zeichnet, setzt sich aus dem erfahrenen Experten im Bereich der (gesundheits-)touristischen Infrastrukturentwicklung, Detlef Jarosch (Mitglied der Geschäftsleitung bei PROJECT M), sowie Dr. Katja Zielke, die PROJECT M zu April 2022 als Senior Consultant an Bord geholt hat, und Markus M. Bloching, ebenfalls Senior Consultant mit weit über 20-jähriger Erfahrung im Betrieb und der Optimierung gesundheitstouristischer Infrastrukturen, zusammen.

Frau Dr. Katja Zielke verfügt über mehr als 18 Jahre Berufserfahrung in der Tourismus-, Hotel-, Spa- und Gesundheitsbranche. In 2004 startete sie ihre touristische Karriere bei der Deutsche Seereederei GmbH, u.a. mit dem Aufbau der Marke A-ROSA. Seit 2006 war sie in leitender Funktion bei der Premedion GmbH, verantwortlich für die strategische Entwicklung und Positionierung, Konzeptionierung, Marken- und Produktentwicklung sowie Marketing & Vertrieb von neuen und bestehenden SPA-, Wellness-, Gesundheits- und Fitnesseinrichtungen. Dabei war sie sowohl für unternehmenseigene Projekte als auch u.a. für die verschiedenen Häuser der DSR Hotel Holding im Bereich Spa, Wellness und Gesundheit sowie für externe Hotelketten und private Investoren tätig. Sowohl mit Dr. Zielke als auch mit M. Bloching stehen damit diesem Projekt, ergänzend zur bereits vorhandenen Expertise, zwei praxiserfahrene Berater für die Bereiche Wellness- und Gesundheitstourismus, Infrastrukturentwicklung und Destinationsmanagement zur Seite.

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Kurorte-Klima

Unsicherheiten im Markt und steigende Inflation bedingen eher zurückhaltende Einschätzung in der Nachfrageentwicklung – Einsparungspotenziale, Profilschärfung und Investition als erste Reaktion

Mehr als zwei Jahre Corona-Pandemie haben die Tourismusbranche stark geprägt. Hinzu kommen aktuelle gesellschaftspolitische Ereignisse wie der Ukraine-Krieg und auch die Klimakrise. Im Ergebnis führen diese Faktoren zu tiefgreifenden Veränderungen und Rahmenbedingungen, die u.a. auch Einfluss auf die Entwicklung der touristischen Nachfrage hatten und haben. Diese Veränderungen zeigen sich auch und insbesondere in den Kur- und Heilbädern. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau aus 2019 steht für zahlreiche der Kur- und Heilbäder nach unseren Informationen (noch) aus.

Vor diesem Hintergrund, haben wir unsere Kurorte-Klima Befragung genutzt und Anfang Juli 2022 erneut durchgeführt, um eine realistische Einschätzung der aktuellen Geschäftslage, der Geschäfteerwartung und der Nachfrageentwicklung in den Kurorten und Heilbädern in Deutschland zu erhalten.

Im Hinblick  auf die Bewertung der aktuellen Geschäftslage zeigt sich, dass ein Großteil der teilnehmenden Kurorte und Heilbäder sowohl die Lage im eigenen Kurort (66,7%) als auch der Heilbäder und Kurorte deutschlandweit (75,0%) als befriedigend bewertet. Dem Gegenüber bewerten nur 12,5% die Lage im eigenen Kurort und 18,8% die der Heilbäder und Kurorte in Deutschland als gut.

Für den eigenen Kurort erwarten 62,5% für die nächsten drei Monate eine gleichbleibende Geschäftserwartung, etwa ein Fünftel (20,8%) erwartet eine Verbesserung der individuellen Geschäftslage.

Zwei Drittel geben darüber hinaus an, dass die Nachfrage im eigenen Kurort in diesem Jahr 2022 niedriger ausfällt als noch im Jahr 2019. Etwa ein Viertel schätzt die Nachfrage auf ein ähnliches Niveau zu 2019 ein, während nur rund 7% eine höhere Nachfrage im eigenen Kurort verzeichnet.

Die Gründe für die im Vergleich zu 2019 geringere Nachfrage werden insbesondere in den Auswirkungen der Inflation gesehen. Auch die Corona-Pandemie ist nach wie vor ein hemmender Faktor in der Nachfrage in den Kurorten. 80% der Kurorte und Heilbäder geben an, dass die bestehende Unsicherheit auf Gästeseiten aufgrund von Corona die Nachfrage im eigenen Kurort zurückhält. Mehr als jeder Zweite konstatiert außerdem die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Grund, dass sich die Nachfrage in diesem Jahr bisweilen noch zurückhaltend darstellt. Bei den weiteren Gründen, die nicht durch die Antwortoptionen vorgeschlagen waren, sticht insbesondere ein Argument hervor: Die Möglichkeit wieder ins Ausland reisen zu können, sorgt dafür, dass die Nachfrage im eigenen Kurort zurückgeht.

Kurorte-Klima Infografik (Stand: Juli 2022)

Mit Blick auf mögliche Handlungsoptionen zur Steigerung der Nachfrage in den Kurorten und Heilbädern wird an erster Stelle die Attraktivierung und Modernisierung der wellness- und gesundheitstouristischen Einrichtungen, wie Thermen und Bäder genannt. Gefolgt von einer notwendigen Steigerung der Aktivitäten im Bereich Marketing sowie der Entwicklung eines breiteren touristischen Angebotes in den Kurorten und Heilbädern.

Die vier meist genannten Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, die mit etwas Abstand gegenüber den anderen Optionen genannt wurden, sind die Einsparung von Energiekosten, Erhöhung der Preise sowie Investitionen in die Modernisierung der Infrastruktur, nebst Schärfung der Profilierung.

Kurorte-Klima Infografik (Stand Juli 2022)

Auch weiterhin sind wir sehr gespannt und werden nachhalten, wie sich die touristische Nachfrage in den Kurorten und Heilbädern in den nächsten Wochen entwickeln wird. Wir freuen uns, wenn Sie hierzu Ihren Beitrag leisten und wir Ihr Interesse an einer Teilnahme geweckt haben. Nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf; sprechen Sie uns an.

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Einladung zum ersten digitalen “TalkTourism” am 20.10.2021 mit internationalen Talkgästen und Top-Beispielen

Heilbäder und Kurorte im Wandel – Folgerungen und Perspektiven für die (kurörtliche) touristische Infrastruktur

Veränderte Rahmenbedingungen, wie das neue GVWG aus dem Sommer (ambulante Badekur als Pflichtleistung), verändertes Konsum- und Gästeverhalten in der Post-Coronazeit sowie die Prozesse der Digitalisierung bieten Chancen aber zugleich auch Herausforderungen für die zukunftsfähige Aufstellung von Heilbädern und Kurorten. Neben der medizinisch-therapeutischen Infrastruktur sind adäquate Beherbergungsangebote, ein stimmiges Ortsbild sowie attraktive öffentliche Angebote wie Grünanlagen, Thermen und Bäder Schlüsselfaktoren.

Doch wie kann langfristig die Angebotsstruktur erhalten und marktgerecht positioniert sein? Welche Megatrends gilt es unbedingt zu beachten? Was ist die adäquate Reaktion auf die Veränderungen? Gibt es bereits erfolgreiche Beispiele an denen man sich orientieren kann? Und was sind die Erfolgsfaktoren für einen wirtschaftlich tragfähigen Kur- und Tourismusbetrieb?

Architektur als profilierendes Element im modernen Gesundheitstourismus © AQUA DOME – Tirol Therme Längenfeld © Therme Bad Aibling (v.l.)

Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen veranstalten wir gemeinsam mit Saint Elmo’s Tourismusmarketing und Prodinger Tourismusberatung aus Österreich am 20.10.2021 den 1. TalkTourism im Hangar 7 in Salzburg.

Der TalkTourism befasst sich jedoch nicht nur mit dem Themengebiet Gesundheitstourismus, sondern beleuchtet ergänzend dazu die Kernthemen Hospitality und Active Sports. Teilnehmende können sich auf spannende Einblicke in die Zukunft touristischer Infrastrukturen, Einschätzungen aus der Praxis, weitreichende Expertenmeinungen und Trendmonitorings freuen. Wir konnten dazu einen herausragenden Kreis an Key Note-Speakern und Talkgästen gewinnen: Persönlichkeiten wie Dr. Bertram Barth (INTEGRAL Markt- und Meinungsforschungsges.m.b.), Dr. David Bosshart (GDI Gottlieb Duttweiler Institute), Oliver Schwarz (Ötztal Tourismus), Erich Bernard (BWM Architekten), Dr. Andreas Keck (KECK Medical),Thomas Jahn (Geschäftsführer AIB Kur und Bayerischer Heilbäderverband),  Bärbel Frey (AQUA DOME – Tirol Therme Längenfeld GmbH & Co KG), Thomas Nußmüller (Red Bull GmbH), Mag. Mathias Schattleitner (Schladming-Dachstein Tourismusmarketing GmbH), Catherine Wilson (Mountainbiketourismus-Expertin Schottland) und einige weitere bekannte Gesichter werden vertreten sein.

© Red Bull Hangar-7 GmbH

Seien Sie bei diesem zukunftsgerichteten Austausch digital dabei und melden Sie sich beim TalkTourism an. Wir freuen uns auf Sie!

Jetzt hier anmelden zum Talk Tourism am 20. Oktober 2021!

Den Link zur Anmeldung finden Sie hier: https://us06web.zoom.us/webinar/register/WN_yMHKLN_EQbKY4A6RAn5f5Q

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf Facebook und LinkedIn!

Umfrage – Kurorte-Klima: Überblick über die aktuelle Geschäftslage und Auswirkungen auf Heilbäder und Kurorte – Die 27. Woche.

Seit Anfang April 2021 ergänzen die niedergelassenen Ärzte neben den Impfzentren als zweite Säule die Impfstrategie und tragen damit zur Eindämmung der Pandemie bei. Bis zum 04.07. wurden in Deutschland rund 77.300.000 Impfdosen verabreicht. Damit sind nun rund 32.360.000 Personen (38,9 % der Gesamtbevölkerung) vollständig geimpft. Insgesamt haben über 46.970.000 Personen (56,5 %) mindestens eine Impf­dosis erhalten (Bundesministerium für Gesundheit, Stand 04.07.2021).

Mit den Lockerungen des öffentlichen Lebens öffnen allmählich auch die Einrichtungen in den Heilbädern und Kurorten Ihre Tore. Zuletzt zeichnet sich jedoch eine verstärkte Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland ab, welche das kontinuierliche Senken der Corona-Zahlen vorläufig gestoppt hat.

Tourismus läuft wieder an. Geschäftslage und Erwartungen verbessern sich deutlich.

Wegen der stark gesunkenen Zahlen wurden in nahezu allen Regionen Deutschlands Lockerungen der Corona-Maßnahmen umgesetzt beziehungsweise sind in Planung für eine baldige Umsetzung. Die bundesweite Notbremse, die ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 deutschlandweit einheitliche Regelungen vorgab, ist zum 30. Juni 2021 ausgelaufen. Dieser Nachricht erfreuen sich damit auch die Heilbäder und Kurorte in Deutschland. Nach fast sechsmonatiger Zwangspause konnten im Mai auch viele Anbieter der Heilbäder und Kurorte, darunter Thermal- und Schwimmbäder, schrittweise und unter Auflagen wieder eröffnen.

Die jüngsten Entwicklungen spiegeln sich auch in der Bewertung der Geschäftslage wider. Heute bewerten knapp drei Viertel der Teilnehmer die gegenwärtige Geschäftslage in Ihrem Kurort als befriedigend (60,87%) oder gut (11,59%). Gegenüber dem letzten Kurorte-Klima (19.01.2021), zu welchem 85% der Beteiligten die gegenwärtige Geschäftslage in ihrem Ort als schlecht bewerteten, zeichnet sich heute ein weitaus positiveres Bild ab. Die Geschäftserwartungen werden von den Teilnehmern heute ebenfalls wesentlich besser bewertet als noch zu Jahresbeginn. Heute bewerten 60,9% der Teilnehmer die Geschäftserwartungen für die nächsten drei Monate als besser, weitere 37,7% erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage, nur 1,4% der Teilnehmer bewerten die Situation in den nächsten drei Monaten schlechter als zum heutigen Zeitpunkt.

Deutschland und Europa rücken als Reiseziele in den Vordergrund.

Auch die Nachfrageentwicklung zeigt im Vergleich zum letzten Kurorte-Klima einen deutlichen Fortschritt. Rund zwei Drittel der Teilnehmenden erwarten im 3. Quartal 2021eine steigende Nachfrage im eigenen Heilbad oder Kurort. Eine neueste Studie des Marktforschungsinstituts GIM research „Reisen 2021 – GIM-Studie zu aktuellen Reiseabsichten der Deutschen“ untermauert die positiven Tendenzen des Kurorte-Klimas. Danach planen 48% der Befragten einen Haupt-Urlaub im In- oder Ausland für das Jahr 2021, darunter geben 44% Europa als Reiseziel an, 37% der Befragten planen eine Haupt-Urlaubsreise im Inland. Nur 15% der Befragten geben eine Destination außerhalb Europas als Reiseziel an.  Gründe für die verzögerten Reiseplanungen sind laut GIM-Studie eine weiter zu unsichere Lage aufgrund von Corona, zu viele Urlaubsländer, die als unsicher gelten oder auch die Unsicherheit zu fliegen.

Die Effekte der Massen-Impfung werden zum aktuellen Zeitpunkt von den Teilnehmern perspektivisch positiv bewerten. Im dritten Quartal gehen die Teilnehmer noch von vorsichtigen Effekten aus. Über 60% der Befragten erwarten entweder keinen oder nur einen Anstieg von bis zu 25% der Nachfrage. Ab dem vierten Quartal diesen Jahres erhoffen die Teilnehmenden auch die Effekte der Impfung leicht in den Gästezahlen zu bemerken. Noch deutlicher wird es ab dem ersten Quartal des neuen Jahres 2022. Hier erhofft sich mehr ein Viertel der Teilnehmer eine Steigerung der Nachfrage von mehr als 50 (16,36 %) und 75 (9,09 %) Prozent.

Die Reiselust der Menschen und eine verstärkte Nachfrage nach inländischen Reisen als wesentliche Nachfragetreiber für den kurörtlichen Tourismus.

Die Hoffnung auf eine positive Nachfrage ruhen insbesondere auf drei Faktoren: Einerseits wird von mehr als 85% der Befragten eine Reiselust der Menschen nach den coronabedingten Reisebeschränkungen erwartet. Hinzu erhoffen über 67% der Befragten ein neues Interesse und eine verstärkte Nachfrage nach inländischen Reisen, worin sich die Kurorte-Umfrage auch mit den Ergebnissen des Marktforschungsinstituts GIM deckt. Rund die Hälfte der Befragten sieht den zunehmenden Impffortschritt als wichtigen Nachfragetreiber für den kurörtlichen Tourismus, je 44% respektive 42% entfallen auf das zunehmende Gesundheitsbewusstsein der Menschen sowie die Reiseerleichterungen durch den digitalen Gesundheitspass. Stärkere Angebote im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung sehen rund 10% der Teilnehmer als Nachfragetreiber für den Tourismus in den Heilbädern und Kurorten.

Weiteren Aufschwung nach der Corona-Durststrecke bringt hoffentlich der jüngst gefasste Beschluss des Gesundheitsausschusses des deutschen Bundestages mit sich, die Kur wieder als kassenfinanzierte Pflichtleistung für die Versicherten einzuführen. Durch das Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) werden ambulante und stationäre Vorsorgeleistungen in anerkannten Kurorten von Ermessens- zu Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Mit diesem Thema und den damit verbundenen Chancen und Anforderungen für die Heilbäder und Kurorte werden wir uns im Herbst im Rahmen einer weiteren digitalen Kurorte-Konferenz im Herbst befassen. Näheres folgt in Bälde.

Auch weiterhin sind wir sehr gespannt wie Sie als Experten vor Ort die Lage in den nächsten Wochen bewerten werden und möchten Sie auch heute schon bitten, sich an der Befragung auch in den kommenden Wochen zu beteiligen. Haben Sie Rückfragen? Sprechen Sie uns an.

Tourismusförderung vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie – Förderquoten wurden deutlich erhöht und Zugänge speziell für Investitionsvorhaben in die touristische Infrastruktur vereinfacht

Heilbäder und Kurorte verzeichneten für das Jahr 2020, das – wie allgemein bekannt – ganz im Zeichen von Corona stand, schwerwiegende Einbußen in so gut wie allen Bereichen. Wie in unserem Blog-Artikel Neue Umfrageergebnisse – Kurorte-Klima: Rückblick auf 2020, Überblick über die aktuelle Geschäftslage und erste Abschätzungen zur Geschäftserwartung in den Heilbädern und Kurorten vom 19.01.2021 bereits dargelegt, ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen auch für 2021 kein abruptes und befriedigendes Abklingen in Aussicht.

Das Ausbleiben der Gäste, die Schließung der Kureinrichtungen und die dadurch entstandenen Umsatzeinbußen bringen die Verantwortlichen immer mehr in Bedrängnis. Instandhaltung und Wartung werden auf ein Minimum reduziert, an Investitionen in Modernisierung ist oft nicht zu denken. Bereits vor Corona waren vielerorts Einrichtungen wie Bäder & Thermen, Kurmittelhäuser, Kurparks etc. stark sanierungsbedürftig. Gelder sind in den Kommunen bereits vor dem drastischen Ausbleiben von Gewerbesteuern und Kurtaxen oft nicht vorhanden gewesen. Die Corona-Zeit wirkt zudem nun wie eine Kapsel, in der die Zeit der Visionen und Entwicklungsideen, allen voran aber der tatsächlichen Umsetzung von Maßnahmen stehengeblieben scheint. Die Lage spitzt sich immer weiter zu: Wie sollen zentrale und für die Kurorte überlebensnotwendige Einrichtungen am Laufen gehalten, geschweige denn für den „Neustart“ attraktiviert und für die Zukunft nachhaltig weiterentwickelt werden?

Ein Lichtblick: Tourismusförderprogramme in vielen Bundesländern mit überdurchschnittlichen Förderquoten ausgestattet und vereinfachten Zugängen

In der Gesellschaft ist längst angekommen, dass das Gastgewerbe am schlimmsten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen ist. Aber wie sollen Einrichtungen, in denen zwischenmenschliche Interaktion und Kontakt zum Menschen das Produkt an sich ist, während des Lock-Downs ein Alternativangebot auf die Beine stellen? Der Lichtblick: Die jüngsten Entwicklungen in der Förderlandschaft zeigen, dass auch die Landesregierungen diese Situation erkannt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten reagiert haben – Die Fördersätze für kommunale (gesundheits-)touristische Einrichtungen wurden teilweise deutlich erhöht, der Weg zu den Fördertöpfen teils stark vereinfacht. Beispiele aus dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zeigen teilweise Förderquoten von bis zu 95 % für kommunale Investitionsvorhaben, sofern die deutlichen Einbußen durch die Pandemie stichhaltig durch den Antragsteller nachgewiesen werden. Dies ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass im vergangenen Jahr einige Maßnahmen aufgrund der Unsicherheit und knapper öffentlicher Kassen zurückgestellt wurden und damit noch aus der laufenden Förderperiode Gelder zur Verfügung stehen. Aber nicht unbegrenzt.

Erlebnisraumkonzept Sole & Kneipp, Außenpavillon Sole (c) Staatsbad Salzuflen GmbH

Voraussetzung: Die Maßnahmen müssen konzeptionell einwandfrei und schlüssig sein, die Ziele der regionalen und landesspezifischen Strategien klar fokussieren und die Notwendigkeit des Impulses und seiner Effekte klar herausgearbeitet werden. Zudem müssen alle Interessensgruppen aktiv und vollumfänglich beteiligt werden sowie eine enge Abstimmung mit den Förderstellen und Ministerien erfolgen. Der Weg ist sicher nicht trivial – das Ergebnis legitimiert diesen Aufwand jedoch.

Nachstehend eine kurze Zusammenfassung wichtiger Schritte auf dem Weg zur Fördermittelakquise vereinfacht als eine Art Check-Liste aus der langjährigen erfolgreichen Praxis der Begleitung:

  1. PROJEKTIDEE: Relevante Grundlagen und Rahmenbedingungen für das künftige Projekt, je konkreter, desto besser. Darauf aufbauend erfolgt die gezielte Fördermittelrecherche (z.B. über https://www.foerderwegweiser-tourismus.de/)
  2. PROJEKTQUALIFIZIERUNG: Hier gilt es alle Auflagen genauestens zu erfüllen und sich sehr eng bis zur endgültigen Einreichung mit den zuständigen Förderstellen abzustimmen. Beachten Sie: Man spielt in einem Team! Entscheidend für den Erfolg sind die Menschen, die im Projekt und in der Antragstellung involviert sind – Es gilt die Förderstelle mit ins Boot zu nehmen und als Team zu agieren
  3. ANTRAGSSTELLUNG: Die qualitativ hochwertige, präzise und gezielte Erarbeitung der Dokumente entscheidet über den Erfolg und v.a. die Förderquote. Die Erfahrung lehrt: Wer auf der Zuwendungsliste oben stehen will, braucht neben dem persönlichen Draht in erster Linie optimal erarbeitete Unterlagen und eindeutige Argumentationslinien!
  4. REALISIERUNG: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“ Der Spatenstich stellt NICHT den Abschluss der Abstimmung mit der Förderstelle dar! Professionelle Projektsteuerung und -management sowie regelmäßige Abstimmung mit der Förderstelle bis zur Abgabe des abschließenden Verwendungsnachweises sind das A & O.

Die Auflagen und Anforderungen an die Fördermittelakquise können unterschiedlicher nicht sein. Es gibt kein Patentrezept. Sowohl zwischen den einzelnen europäischen Förderprogrammen wie LEADER, INTERREG oder Förderungen der „Gemeinschaftsaufgabe -Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW), als auch zwischen den einzelnen Bundesländern unterscheidet sich der Aufwand teilweise stark. In jedem Fall ist jedoch festzuhalten, dass es sich lohnt, bei jeder Investition die Möglichkeiten auf Förderung genauestens zu prüfen und ggf. das Projekt entsprechend der Förderrichtlinien weiter zu entwickeln.

Fakt ist: Aktuell ist der ideale Zeitpunkt, um sich nicht nur mental und strategisch, sondern auch infrastrukturell für die Zukunft aufzustellen, Impulse zu setzen und zentrale Ankereinrichtungen neu zu positionieren bzw. Neuinvestitionen zur Impulssetzung anzugehen. In jüngerer Zeit konnten wir an mehreren Standorten erfolgreich bei der Sicherung von Mitteln für Thermen & Bäder in der Rhön und im Harz und im Kreis Lippe für ein Erlebnisraumkonzept Sole & Kneipp unterstützen. Auf den Weg gebracht wurden seit Jahresbeginn nach Vorabklärung Anträge für ein Gesundheitszentrum auf einer Insel in Niedersachsen und aktuell wiederum für ein weiteres Bad im Harz.

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Ambulante und stationäre Vorsorgemaßnahmen in anerkannten Heilbädern und Kurorten werden wieder Pflichtleistungen – Chance und Aufgabe zur Zukunftssicherung

Mit dem voraussichtlich im Sommer 2021 Inkrafttreten des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz – GVWG) besteht für eine Vielzahl der Heilbäder & Kurorte in Deutschland, die ihre medizinisch-therapeutische Qualität gehalten bzw. ausgebaut haben, endlich die Chance sowohl ambulante als auch stationäre Vorsorgemaßnahmen wieder als Kassenleistung anzubieten. Möglich wird es dadurch, dass diese Leitungen nun wieder Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen werden.

Quelle: © kudla / Shutterstock

Damit geht zum einen eine Forderung des Deutschen Heilbäderverband e.V. und verschiedenster Landesverbände in Erfüllung. Zum anderen werden aber auch die Heilbäder & Kurorte in ihrer Funktion als Gesundheitskompetenzzentren für Patienten, Gäste und Einheimische gestärkt. Gleichzeitig entspricht diese Entscheidung dem wachsenden Bedürfnis und der Bereitschaft in der Gesellschaft aktiv etwas für die Gesundheit zu tun sowie der wachsenden Nachfrage nach natürlichen bzw. naturnahen Heilmitteln. Gesundheit ist nur aufgrund von COVID 19 in nahezu allen Gesellschaftsschichten und Generationen das höchste Gut, sondern auch das zentrale Lebensziel und Synonym für ein gutes Leben. Eine klare Win-win-Situation sowohl für die Versicherten als auch die Heilbäder und Kurorte. Jetzt gilt es die richtigen Schritte zur Vorbereitung zu gehen und Vorbereitungsmaßnahmen konsequent umzusetzen. Aus unserer Sicht und Erfahrung wichtige TOP 8 Maßnahmen sind dabei:

  1. Profilierung – Thematische/heilmittelbezogene bzw. indikationsbezogene (Neu)Positionierung und Markenentwicklung des Ortes sowie der relevanten Angebote
  2. Produktoptimierung – Prüfung und Nachqualifizierung kurörtlicher Angebote auf Qualität und gegenwärtige Gästebedürfnisse
  3. Produktentwicklung – Entwicklung und Anerkennung von „neuen (Kompakt)Kurangeboten“ zu Schlüsselthemen wie Stressmanagement, Erschöpfung, Atemwege, Resilienz etc.
  4. Erlebnisraumentwicklung – Attraktivierung und stärkere Thematisierung der kurörtlichen Infrastruktur auf Basis einer Zukunftskonzeption für den Erlebnisraum – Basis- (z.B. TI, Kurpark, Wege, …), Supra- (z.B. Beherbergung, Gastronomie, Kliniken) und Aktivitätsinfrastruktur (Thermen, Themenwege, …)
  5. Innenmarketing – Gezielte Bewusstseinsbildung zur Bedeutung und Chance des Themas Gesundheitstourismus
  6. Netzwerkmanagement – Aufbau bzw. Weiterentwicklung (thematischer) Anbieternetzwerk zur Schaffung von verlässlichen Zusammenarbeitsstrukturen und -mechanismen, Entwicklung attraktiver Angebotsbündel, Rahmenprogramme, Impulsgebung, Kontaktvermittlung, etc.
  7. Marketing & Vertrieb – ortsbezogene Marketing- und Kommunikationsstrategie, Content-Erstellung und Kommunikationsfahrplan
  8. Marketing & Vertrieb überörtlich: konsequentes Zuweisermarketing und Vermarktungsoffensiven

Neben dem enormen Potenzial durch das Inkrafttreten des GVWG stellt auch die weiterhin anhaltende Corona-Pandemie mit Ihren Auswirkungen und Folgen zusätzliches Potenzial für die Heilbäder und Kurorte als Kompetenz- und Versorgungszentren für Gesundheit, Prävention und Rehabilitation dar. Natürlich belastet die Pandemie mit zahlreichen Infizierten und unterschiedlichsten Krankheitsverläufen unser Gesundheitssystem, denn auch heute, knapp ein Jahr nach dem der erste Infizierte in Deutschland gemeldet wurde, ist unklar wie sich das Coronavirus selbst und die Pandemie weiterentwickeln.

Gleichzeitig stärkt die Pandemie aber eben auch das Gesundheitswesen: Effekte wie beispielsweise die von der Gesellschaft verstärke Abwägung von notwendigen Terminen bei Ärzten oder gar in der Notaufnahme, entlastet medizinisches Personal und Rettungsstellen, die Entbürokratisierung von Behörden, Verwaltungen und Institutionen durch erleichterte Abrechnung und reduzierte Kontrollen sowie das Vorantreiben der Digitalisierung und damit der Ausbau von Telemedizin und die Beschleunigung der Einführung papierloser Rezepte aufgrund geltender Schutzmaßnahmen wie Abstandsregeln zahlen eindeutig auf das gegenwärtig bestehende Gesundheitswesen ein.


Zum Hintergrund: Mit der Gesundheitsreform in den 90er Jahren wurden die Pflichtleistungen gestrichen. Die Folgen: Die Heilbäder und Kurorte verloren zahlreiche Gäste und damit verschlechterte sich auch die wirtschaftliche Situation der Kommunen und Leistungsträger (sinkende Einnahmen durch Kurbeiträge, geringere lokale Wertschöpfung). Zugleich stiegen die Zahlen der Erkrankten beispielsweise durch Arbeitsunfälle und die Länge der Krankenstände, da notwendige Auszeiten zur Prävention und Stärkung von Körper, Geist und Seele fehlten.

Im Dezember 2020 wurde im Deutschen Bundestag das Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz – GVWG) beschlossen. Das Gesundheitsministerium (BMG) nutzt die Pandemie, um richtige Schritte zur Weiterentwicklung des zukunftsfähiges Gesundheitssystem zu gehen. Es soll mehr Qualität, mehr Transparenz, bessere Leistungen und verstärkte Vernetzung in der Versorgung sicherstellen: Für die Krankenhäuser soll eine umfassende Qualitätsoffensive gestartet werden und die Versicherten sollen von verbesserten Leistungen profitieren.

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Neue Umfrageergebnisse – Kurorte-Klima: Rückblick auf 2020, Überblick über die aktuelle Geschäftslage und erste Abschätzungen zur Geschäftserwartung in den Heilbädern und Kurorten.

Nachdem es über die Sommer- und ersten Herbstmonate letzten Jahres hinsichtlich der weiterhin anhaltenden Corona-Pandemie ruhiger war, kämpfen wir seit Mitte Oktober mit steigenden Infektionszahlen und Todesfällen gegen die zweite Welle und die ungezügelte Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 und die bekannten Mutationen.

Reisen war zwischenzeitlich wieder möglich, bis wir im November erneut in einen Teil-Lockdown gegangen sind. Da die Infektionszahlen kaum positive Entwicklung verzeichnen, wurden Maßnahmen stetig verschärft und der Teil-Lockdown konsequent verlängert. Erst langsam sind positive Effekte erkennbar: Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Deutschland aktuell bei 134. Die Zahlen schwanken weiterhin täglich. Bundesländer wie beispielsweise Schleswig-Holstein (89) verzeichnen laut RKI positivere Werte, andere wiederum melden weiterhin beunruhigend hohe Werte (Thüringen 274, Sachsen 245, Brandenburg 206). Zudem müssen wir mehr als 46.500 Todesfälle vermerken. Positiv: Die weltweiten Fortschritte bei Impfstoff und Medikamenten. In Deutschland konnten mit steigendem Tempo seit dem Impfstart am 27.12.2020 1,5 Mio. Menschen geimpft werden.

Leere Kassen und kaum Hoffnung auf zeitnahe Besserung.

Keine Überraschung: Die Geschäftslage ist schlecht. Mehr als 85% der Teilnehmenden werten für ihren eigenen Kurort aber auch die Heilbäder und Kurorte in Deutschland die gegenwärtige Geschäftslage als schlecht. Überraschend sind einige wenige Ausreißer, welche die Lage als befriedigend oder gar als gut bewerten, sodass sich die Frage stellt: Haben wir uns schon mit der Situation abgefunden und bewerten den Teil-Lockdown als „befriedigend“?

Auch der Ausblick für die nächsten drei Monate schürt keine Freude. Knapp 30% der Teilnehmenden bewerten auch die nächsten Monate als schlecht und mehr als die Hälfte der Teilnehmenden rechnet mit einer gleichbleibend schlechten Geschäftslage. Nicht verwunderlich, denn auch wenn viele von uns mit der Zulassung mehrerer Corona-Impfstoffe auf das neue Jahr 2021 hin gefiebert haben, kämpfen wir weiterhin mit Herausforderungen wie Virusmutationen, Lieferengpässen und einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Impfstoffen u.ä. Aber wir können einige Hoffnungsträger identifizieren! Immerhin bewerten 13,0 Prozent (eigener Kurort) bzw. 14,1 Prozent (Heilbäder und Kurorte in Deutschland) die Perspektive der nächsten Monate als zumindest besser ein.

Das Virus bestimmt die Tourismusbilanz 2020: Deutliche Verluste aber auch positive Entwicklungen während der Sommermonate.

Enorme Nachfragerückgänge, Umsatzausfälle und Betriebssterben prägten das Jahr 2020. Das bestätigen unserer Teilnehmenden mit ihren Bewertungen und Einschätzungen. Das erste Quartal, als das Virus noch von der Mehrheit als harmlose Grippe gesehen und nicht wirklich ernst genommen wurde, verläuft im Januar und Februar planmäßig – teilweise auch mit leicht positiven Entwicklungen. Insbesondere das zweite und vierte Quartal (erste und zweite Welle) zeigen die deutlichen Einbußen der Branche. Im zweiten Quartal verzeichnet ein Drittel der teilnehmenden Orte unter 25% der Gästezahlen in Relation zum Jahr 2019. Ein weiteres Drittel verzeichnet zwischen 25-50 Prozent. Im vierten Quartal verstärkt sich die Entwicklung, sodass knapp drei Viertel der Teilnehmenden maximal 50 Prozent der Gästezahlen in Relation zu 2019 verzeichnen.

Erfreulich hingegen das dritte Quartal des Jahres: Hier konnten einige Heilbäder und Kurorte starke Monate mit Rekordwerten oberhalb der 2019er Zahlen verzeichnen, denn auch Gästebefragungen sind eindeutig: Die Reiselust ist weiterhin groß. Die Menschen sehnen sich nach Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände, obwohl sich zugleich auch das Reiseverhalten (mehr Sicherheit, Urlaub in der Nähe, etc. – vgl. Allianz Partners, Studie „Reisen nach dem Ausbruch von Covid-19“) unserer Gäste verändert hat und wohl auch nachhaltig verändern wird.

Grund zur Hoffnung auf ein Ende der Pandemie – Grund zur Hoffnung auf eine Verbesserung der Tourismuswirtschaft!

Aber dennoch ist davon auszugehen, dass sich unser Leben und somit auch Urlaube und Reisen nach und nach wieder normalisieren werden. Das zeigen auch die Ergebnisse zur Nachfrageentwicklung. Mehr als 55 Prozent der Teilnehmer gehen von einer anziehenden Nachfrage im zweiten Quartal 2021 aus. Weitere 38,5% bewerten die Lage eher vorsichtig, gegebenenfalls auch realistisch und gehen von einem Anziehen der Nachfrage im dritten Quartal aus.

Die Effekte der Massen-Impfung werden zum aktuellen Zeitpunkt von den Teilnehmern vorsichtig bewertet. Im ersten Quartal gehen die Teilnehmer von kaum spürbaren Effekten aus. Dies ist mit Blick auf die derzeitigen Herausforderungen wie Lieferengpässen und eingeschränkter Verfügbarkeit, der geplanten Verlängerung des Lockdowns und weiteren verschärften Maßnahmen auch aus unserer Sicht nachvollziehbar. Ab dem zweiten Quartal, ab dem mehr als die Hälfte der Teilnehmer mit einer anziehenden Nachfrage rechnen, erhoffen sie sich auch die Effekte der Impfung leicht in den Gästezahlen zu bemerken. Deutlicher wird es ab dem dritten Quartal. Hier erhofft sich mehr als ein Drittel der Teilnehmer eine Steigerung der Nachfrage von mehr als 50 (18,4 %) und 75 (18,4 %) Prozent.

Es bleibt weiterhin ungewiss wie genau sich die Pandemie und damit auch das Tourismusjahr 2021 entwickeln wird. Einen Überblick zur möglichen Entwicklung, den weiterhin zu beobachtenden Faktoren für die aktuelle Entwicklung sowie langfristig durch die Pandemie ausgelöste bzw. verstärkte Tendenzen und Entwicklungen finden Sie in unserem neusten Blogbeitrag auf unserem weiteren Blog tourismusperspektive.

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Digitalisierung in Heilbädern und Kurorten über Corona hinaus – Erfolgreicher Abschluss der 3. Kurorte-Konferenz von PROJECT M

Um den 350 Heilbädern und Kurorten in Deutschland in den herausfordernden Zeiten der Corona-Pandemie eine Plattform für Diskussion, Austausch und Zusammenarbeit zu bieten und gemeinsam einen Weg in die neue Normalität zu finden, rief PROJECT M im Frühjahr die digitale Kurorte-Konferenzreihe ins Leben. Am vergangenen Dienstag fand nun die inzwischen dritte Veranstaltung statt und war ebenso ein Erfolg wie die Vorgänger. Nach den Lockerungen der vergangenen Monate und der langsamen Rückkehr zur (neuen) Normalität wurde der Blick insbesondere auf die Zukunft gerichtet.

Die Corona-Pandemie hat nach wie vor einen maßgeblichen Einfluss auf den (Deutschland-) Tourismus: Insbesondere zeigt sie auch auf, wie wichtig eine durchgehende Digitalisierung nicht nur momentan, sondern auch in Zukunft für die deutschen Heilbäder und Kurorte ist. Die digitale Transformation ist ein wesentlicher Treiber von immer schnelleren Veränderungen in verschiedenen Bereichen des gesundheitstouristischen Destinationsmanagements: u.a. e-Health, Digitalisierung der Leistungskette, digitale Besucherlenkung sowie Kundenbindung durch digitales Datenmanagement.

Wir freuten uns sehr, eine Reihe erstklassiger Referenten zur Kurorte-Konferenz begrüßen zu dürfen, die ihre Expertise mit den Zuhörern teilten.

Olaf Nitz (Chief Data Officer Saint Elmo’s Tourismusmarketing) schaltete sich aus Wien dazu und teilte Einblicke zur Wichtigkeit des digitalen Datenmanagements. Durch effiziente und relevante Daten können Heilbäder und Kurorte ihre Gäste besser verstehen und somit auch richtig und gezielt ansprechen. Hierbei kommt es u.a. auf den Einsatz der richtigen Datenstrategie an.

Andreas Feustel (Geschäftsführer WIIF GmbH) folgte mit einem Vortrag zum Mehrwert digitaler Kur- und Gästekarten und klärte die Teilnehmer über wichtige Erfolgsfaktoren auf, wie Flexibilität, Ersparnis oder einfache Handhabung. Abgerundet wurde sein Vortrag von Max Hillmeier (Tourismusdirektor Bad Hindelang Tourismus) mit dem thematisch passenden Best Practice Beispiel „Bad Hindelang PLUS“, einer erfolgreichen Gästekarte, die seit 2010 starke Zahlen vorweist und seit Neustart nach dem Corona-Lockdown deutliche Vorteile teilnehmender Betriebe vorzeigen kann.

Dirk Rogl (Inhaber & Geschäftsführer Rogl Consult) klärte auf zum Thema der intelligenten Besucherlenkung in Zeiten von Corona, welche gerade vor dem Hintergrund der Abstandsregelungen von großer Bedeutung für Heilbäder und Kurorte ist, um die Besucherströme richtig zu lenken und somit Gästen ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Hierzu spielte er beispielhaft die Entwicklung einer entsprechenden App durch. Auch sein Vortrag wurde von einem passenden Best Practice Beispiel untermalt: Paul Stellmacher (stellvertretender Vorstand und Bereich Online-Marketing der Tourismus-Agentur Lübecker Buch) stellte den erfolgreichen „Strandticker“ vor, mit dessen Hilfe u.a. die Strandauslastung vor Ort im Sinne einer „Smart Crowd Control“ effektiv gesteuert werden kann.

Der Strandticker in der Lübecker Bucht © Tourismus-Agentur Lübecker Bucht

Zu guter Letzt teilte Dr. med. Andreas Keck (Geschäftsführer KECK MEDICAL & Syte Institute) Einblicke zu den Möglichkeiten von Digital und e-Health. Bereits heute können 20% der Gesundheitsdienstleistungen virtuell erbracht werden, angefangen von digitalen Videosprechstunden bis hin zur digital unterstützten Rehabilitation – auch über den Aufenthalt im Kurort hinaus. Durch das neue digitale Versorgungsnetz wird es ab Oktober 2020 auch die ersten verschreibungsfähigen digitalen Gesundheitsfunktionalitäten geben.

Neben den spannenden Fachbeiträgen konnten sich auch die Teilnehmer über das digitale Beteiligungstool Mentimeter einbringen und ihre Meinung zu den jeweiligen Themenbereichen kundtun.

Trotz der vorerst letzten digitalen Kurorte-Konferenz soll natürlich die zukunftsfähige Weiterentwicklung der deutschen Heilbäder und Kurorte weiter vorangetrieben werden. Vor dem Hintergrund der fehlenden Datenbasis vor Ort führt PROJECT M in den kommenden Wochen eine Online-Befragung zur Digitalisierung entlang der Customer Journey durch. Helfen Sie mit, gemeinsam die zukunftsfähige Aufstellung und Digitalisierung in den Heilbädern und Kurorten voranzutreiben! Wir laden Sie dazu herzlich ein, über den folgenden Link an unserer Befragung teilzunehmen: e.research.net/r/Befragung-Digitalisierung. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Gerne erreichen Sie uns per E-Mail unter kurorte@projectm.de.

„Ein einzigartiger persönlicher Beratungsservice – auch für Männer!“ Die Gesundheits-Concierges aus Bad Reichenhall im Gespräch

Bad Reichenhall ist ein Kurort zum Durchatmen. Die Alpenstadt im Berchtesgadener Land, die schon seit Jahren als Top-Kurort im größten Qualitätsvergleich Deutschlands für Kur- und Heilbäder ausgezeichnet ist, überzeugt durch medizinische Kompetenz, exzellente gesundheitstouristische Einrichtungen und hervorragende Angebote zur Freizeitgestaltung. Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Bad Reichenhall ist einfach ein tolles Reiseziel für Menschen, die sich etwas Gutes tun und präventiv ihre Gesundheit verbessern möchten.

Um (potenziellen) Gästen der Alpenstadt zum Thema Gesundheit höchste Kompetenz und Serviceleistung entlang der gesamten Customer Journey zu bieten gibt es Karin Kastner und Susanne Dewies – die Gesundheits-Concierges in Bad Reichenhall.

Karin Kastner und Susanne Dewies – die Gesundheits-Concierges © Berchtesgadener Land Tourismus GmbH

GTB: Seit Herbst 2019 gibt es die Gesundheits-Concierges in Bad Reichenhall: Was war der Grund für die Schaffung dieses Service-Angebotes?

Die Gesundheits-Concierges: Alpensalz und Alpensole, Moor, Latschenkiefer und das Alpenklima – Bad Reichenhall hat einen reichen Schatz an Naturheilmitteln und bietet individuelle Wohlfühl-Auszeiten ebenso an wie klassische Kuren.

Unsere Erfahrung ist: Gesundheit – ob Kur oder Vorsorge, Wellness oder Therapie ist immer erklärungsbedürftig. Wer kennt schon alle Möglichkeiten und hat die Zeit, sich mit allen Angeboten intensiv auseinanderzusetzen? Die vielen Facetten, die das Thema Gesundheit beinhaltet und die Fülle der Angebotsvarianten überfordern auf den ersten Blick. Die Gesundheits-Concierges kennen die Antworten auf all diese Fragen bestens. Sie helfen, organisieren, beraten und geben Tipps – ein einzigartiger persönlicher Beratungsservice.  

GTB: Sie stehen Gästen entlang der gesamten Customer Journey, d.h. vor, während und nach einem Aufenthalt, mit Rat und Tat zur Seite. Was sind Ihre Kernaufgaben als Gesundheits-Concierge?

Die Gesundheits-Concierges: Wir geben „Newcomern“ wie auch erfahrenen Gesundheitsgästen einen ersten Überblick über aktuelle Erholungsangebote, Kuren, Kurse, Fachärzte und Therapien vor Ort. Wir fungieren damit als Ansprechpartner und Anlaufstelle für alle Fragen von A wie Asthma bis Z wie Zahnarzt. Wichtige Informationen für das eigene Wohlbefinden können so bereits von zu Hause aus eingeholt und abgeklärt werden. Selbstverständlich stehen wir in Kontakt mit allen Gesundheitsdienstleistern und Institutionen in Bad Reichenhall, um auch hier immer auf dem neuesten Stand zu sein. Diesen kostenfreien Service können Gäste in Anspruch nehmen. Er versteht sich als Ergänzung zu einer Beratung und Untersuchung durch einen medizinischen Spezialisten, ersetzt diese aber nicht. 

GTB: Haben sich die Frage- und Problemstellungen der Gäste auf Grund oder während Corona sichtbar verändert? Wenn Ja, haben Sie in Ihren Arbeitsalltag hinsichtlich Angebote, Leistungen Veränderungen oder Anpassungen vorgenommen?

Die Gesundheits-Concierges: Gerade Atemwegspatienten agieren derzeit verständlicherweise besonders vorsichtig, buchen eher stationäre Kuraufenthalte. Aber auch für ambulante Atemwegspatienten steht das Netzwerk aus Ärzten, Therapeuten und Institutionen zur Verfügung. Wir versuchen, bei den Fragestellungen zu Corona alle wichtigen Informationen zu geben. Selbstverständlich auch zu aktuellen Hygienevorschriften, Abläufen vor Ort – beispielsweise im Kurmittelhaus, am AlpenSole-Freiluft-Inhalatorium Gradierhaus, etc.

GTB: Welche Angebote funktionieren in Zeiten von Corona? Was sind aus Ihrer Sicht Voraussetzungen (bspw. flexible Leistungsbausteine, Teilnehmerzahl, Art von Produkten, etc.) für erfolgreiche gesundheitstouristische Angebote?

Die Gesundheits-Concierges: Individuelle Angebote funktionieren erfahrungsgemäß besser als Gruppenangebote, auch Outdoor-Möglichkeiten werden intensiver genutzt. Voraussetzung für erfolgreiche, gesundheitstouristische Angebote ist, noch individueller auf die spezifischen Bedürfnisse, Interessen und Probleme des Gastes einzugehen. Jeder Gast soll sich gut aufgehoben fühlen und das Programm / Angebot erhalten, das ihm in seiner Lebenssituation am besten weiterhilft. Es gibt beispielsweise auch die Möglichkeit, sich während des Urlaubs vor Ort einfach gesunde Bausteine hinzu zu buchen, etwa Bäder oder Massagen oder Physiotherapie, und, und, und. Flexibilität in der Angebotsgestaltung ist heute wichtiger denn je.

GTB: Seit kurzer Zeit legen Sie unter Anderem den Fokus ihrer Arbeit auf die Zielgruppe Männer. Oft leben Männer im Vergleich zu uns Frauen weniger gesundheitsbewusst. Sie haben sich als Ziel gesetzt auch Männer von den Vorteilen eines gesundheitsbewussten Lebensstils zu überzeugen und haben Angebote und Produkte für Männer entwickelt. Was sind Erfolgsfaktoren (Name des Produktes, Leistungsbestandteile, Teilnehmer, etc.) für die Produktentwicklung und wie reagieren die Männer?

Die Gesundheits-Concierges: Ja, wir haben uns gedacht, dass es endlich an der Zeit ist, ein gezieltes Angebot für Männer zu erstellen. Denn – so ist unsere Erfahrung: mittlerweile haben auch die Herren der Schöpfung erkannt: Wer vital, glücklich und leistungsfähig bleiben will, braucht Auszeiten. Für insgesamt neun verschiedene Typen haben wir ein vielfältiges Aktiv- und Erholungsprogramm unter der Überschrift „Männersache“ zusammengestellt.

„Wir glauben an den Männerschnupfen – und daran, dass Männer wirklich unter Erkältungen mehr zu leiden haben, als Frauen.“ unterstreichen Karin Kastner und Susanne Dewies im Gespräch zum Thema “Männersache”.

Dabei verzichten wir auf Testosteron-Stereotypen, Yoga und Stilberatung gehören ebenso zum Angebot wie der Besuch in Casino und Rooftop-Bar. Gesundheitsthemen wie Check-ups, Rückenleiden oder der (wissenschaftlich belegte) „Männerschnupfen“ werden behandelt – und dank Outdoor-Action sowie Thermen-Abtauchen mit dem Angenehmen verbunden. Im Vordergrund stehen dabei tolle Ideen, die das Leben während und nach einem Urlaub in Bad Reichenhall langfristig positiv bereichern. Dank eines einfachen Baustein-Systems sieht „Mann“ auf einen Blick, welche Themen für ihn relevant sind. Kurz, klar, unkompliziert – so sind die Bausteine aufgebaut. Unter www.bad-reichenhall.de/maennersache  werden alle neun Angebotstypen vorgestellt und können per Online-Formular angefragt werden – einfach ankreuzen, abschicken, fertig.

Wannenbad für mehr Entspannung
“Wannenbad für mehr Entspannung” – Männersache © Berchtesgadener Land Tourismus GmbH

Maßgeschneiderte Beratung: Betreut wird die „Männersache“ in Bad Reichenhall selbstverständlich auch von den Gesundheits-Concierges. Wir stehen beratend zur Seite, vereinbaren Termine beim Facharzt und organisieren obendrein das passende Freizeitangebot rund um Bad Reichenhall mit Bier-Tasting, Wanderung oder Gleitschirm-Flug.

Das Programm ist noch recht neu – seit September online unter www.bad-reichenhall.de/maennersache veröffentlicht. Wir erhalten aber bereits Anfragen und kontaktieren jeden Interessenten persönlich, um das beste Programm für die jeweilige Interessenslage zusammenstellen zu können. Gerne sind wir auch bei der Unterkunftsbuchung behilflich und vereinbaren Termine bei den verschiedenen Institutionen.

Die Reaktionen sind durchwegs positiv:

„…endlich gibt es auch mal Kosmetik-Behandlungen für Männer.“

„…dann komme ich mit meinen Kollegen und wir tun mal was Sinnvolles für unsere Gesundheit!“

„…ich will hier wandern und genießen und mich nebenbei kurz mal durchchecken lassen.“

Natürlich sind auch klassische Rückenangebote sehr gefragt und die besagte Prävention vor dem gefürchteten Männerschnupfen ist kein Scherz, sondern ernstgemeint. Mit AlpenSole-Anwendungen und Wanderungen im frischen Alpenklima kann man in Bad Reichenhall das Immunsystem perfekt auf die kalte Jahreszeit vorbereiten und ist so bestens gewappnet!

GTB: Vielen Dank für das gute Gespräch, Frau Kastner und Frau Dewies. Und bleiben Sie bitte gesund!

Renaissance oder Sterben der Kurmittelhäuser zur Anwendung der natürlichen Heilmittel?

Sind die Kurmittelhäuser ein Relikt der kurörtlichen Tradition oder erleben sie gerade jetzt zur medizinisch-therapeutischen Anwendung, v.a. der ortsgebundenen und auch ortstypischen Heilmittel eine Renaissance?

Diese Frage lässt sich natürlich nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Sie hängt von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten wie z.B. des baulich-technischen Zustandes, der betriebswirtschaftlichen Situation, des Wettbewerbs (z.B. Klinikstrukturen, Privatanbieter etc.), der Eingliederung ggf. in eine Therme oder Bädereinrichtung und auch des Stellenwertes der Heilmittel in der Anwendung vor Ort ab.

Oftmals veraltete Einrichtungen verbunden mit hohem jährlichen Zuschussbedarf v.a. in 2020

Fakt ist, dass die meist kommunal bzw. durch kommunale Gesellschaften betriebenen Kurmittelhäuser durch die COVID-19 bedingten monatelangen Schließungen die jeweiligen Eigentümer stark belasten – keine Einnahmen aber meist hohe laufende Kosten trotz Kurzarbeitsregelung. Wer nicht bereits zuvor darüber nachgedacht hat, wie die Zukunft der jeweiligen Einrichtung aussehen soll und ob man sich den Betrieb noch weiter leisten möchte, wird sich diese Frage jetzt stellen (müssen).

Viele Einrichtungen, egal ob in den alten oder neuen Bundesländern sind wirklich in einem sanierungs- bzw. renovierungsbedürftigen Zustand und können oft nicht mit privat- oder klinikgeführten Angeboten mithalten. Sie sind zwar noch funktional, aber zunehmend hinsichtlich z.B. Erscheinungsbild, Privatsphäre des Patienten/Gastes (fehlende Raumtrennungen bei Kabinen), Ausstattung, Raumgrößen nicht mehr zeitgemäß und damit insbesondere an den Selbst(mit)zahler schwer zu vermarkten.

Anwendungen mit natürlichen Heilmitteln werden bei gleichzeitig steigendem Anspruch zunehmend stärker nachgefragt – Einige Heilbäder reagieren mit Modernisierungsmaßnehmen

Aus Marktsicht gewinnen die Heilmittel und damit verbundene naturheilverfahrensbasierte Anwendungen bei den Kunden an Sympathie und Nachfrage. Dies hängt auch mit dem allgemeinen Trend zu (anerkannten) Naturheilverfahren, Nachhaltigkeit und steigender Naturverbundenheit zusammen. Dementsprechend haben Heilbäder wie Noderney ihr „badehaus“ modernisiert und setzen bei der gesamten Infrastruktur auf das Thema Thalasso. Oder Bad Salzuflen stellt mit den Parkwelten und der Modernisierung der Gradierwerke das Thema Sole in den Vordergrund. Das dortige Vitalzentrum wird gleichzeitig auf Effizienz getrimmt und mit weiteren Partnern zu einem Kompetenzzentrum Gesundheit weiterentwickelt. Ein Standort in Südbayern plant ein neues Moorbadehaus und in Bad Königshofen durften wir die Konzeption, die Planung und den Bau eines neuen Kurmittelzentrums als Teil der Modernisierungsstrategie der FrankenTherme begleiten. Dort sind auch neue zeitgemäße Anwendungsbereiche für Moor- und Thermalwasseranwendungen geschaffen worden, die sich schnell einer großen Nachfrage erfreuen.

Was sind nun Erfolgsfaktoren für moderne Kurmittelhäuser und was sollte bei der Prüfung der Zukunftsfähigkeit beachtet werden?

  • Räumliche Verbindung mit medizinischen Versorgungszentren bzw. Arztpraxen einerseits oder Integration in Thermen und Badeeinrichtungen andererseits 
  • Konzentration auf die Inwertsetzung der örtlichen und orts-gebundenen Heilmittel zur Abdeckung eines möglichst differenzierten gesundheitsfördernden Spektrums
  • Konzentration der Angebote auf bestimmte Indikationen und Themen analog zur (angestrebten) Profilierung des Ortes und des Umfeldes
  • Spezifische heilmittelbezogene gesundheitsfördernde Angebote für den Selbstzahlermarkt mit möglichst separierten Bereichen
  • An die Bedürfnisse der Patienten adaptierte Hotel-Strukturen nahe der Behandlungseinrichtungen

Wie ist es um den Zustand Ihres Kurmittelhauses bestellt? Gerne unterstützen wir auch Sie bei der Überprüfung der Markt- und Wettbewerbsfähigkeit oder der Zukunftsausrichtung mit nachhaltiger Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Aus unserer Sicht und Erfahrung haben gut aufgestellte Kurmittelhäuser eine reale Marktchance, doch werden in die Jahre gekommene Häuser immer deutlicher abgehangen und vom Markt verschwinden. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?