Umfrage – Kurorte-Klima: Überblick über die aktuelle Geschäftslage und Auswirkungen auf Heilbäder und Kurorte – Die 5. Woche.

Am 15. April hat die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, gemeinsam mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder den Beschluss erster Lockerungen der Beschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie beschlossen. Kleinere Geschäfte, Kfz- und Fahrradhändler, Buchläden u.ä. dürfen unter der Einhaltung von Auflagen wieder öffnen. Auch die Prüfungen der Abschlussklasse in den Schulungen werden durchgeführt und ab dem 4. Mai nehmen die Schulen und Hochschulen den Betrieb schrittweise wieder auf. Nichtsdestotrotz bleiben die vorhergehenden Beschlüsse und Entscheidungen des Corona-Kabinetts gültig und die getroffene Verfügung wird bis zum 3. Mai verlängert. Restaurants, Bars, Kneipen, Hotels, Dienstleistungsbetriebe bei denen körperliche Nähe unabdingbar ist bleiben weiterhin geschlossen. Großveranstaltungen sind bis Ende August nicht erlaubt und private Reisen und Besuche auch von Verwandten sind weiterhin nicht gestattet.

Bisher keine Erholung – die Geschäftslage bleibt weiterhin schlecht. Aber: Zuversicht für die nächsten Monate steigt.

Die Geschäftslage bleibt auch weiterhin schlecht – kein Wunder, denn auch weiterhin greifen die Verbote und Beschränkungen für den Freizeit- und Tourismussektor. Die im letzten Kurorte-Klima (07.04.2020) beschriebenen Lichtblicke wachsen. Es ist ein leichter, aber aus unserer Sicht realistischer Optimismus erkennbar. Der „Bodensatz“ wurde vor den Osterfeiertagen erreicht. Nun heißt es: Zeit nach vorne zu schauen, denn es wird für den Tourismus die Zeit nach Corona kommen.

Deutlich werden die Lichtblicke in Form von Zukunftshoffnung. Auch wenn immer noch der Großteil die Geschäftserwartung für die nächsten drei Monate als gleichbleibend (ca. 42 bis 44%) oder auch als schlechter (40 bis 42%) bewertet. Die Geschäftserwartungen generell fallen deutlich positiver aus. Im Vergleich zu unserem ersten Kurorte-Klima (24.03.2020) steigt die Zuversicht für eine bessere Geschäftserwartung für die nächsten drei Monate um 13,7 Prozentpunkte (eigener Kurorte & Heilbäder und Kurorte Deutschland insgesamt).

Dies spiegeln auch die Ergebnisse der Neubuchungen und Rückgänge wider. Die Lage wird klarer, Neubuchungen finden nur vereinzelt statt. Die Zahlen des ersten Quartals liegen vor und sind eindeutig: ca. 58% der Teilnehmer verzeichnen Rückgänge von bis zu 50%. Ein Drittel der Teilnehmer erfasst Rückgänge über 75%. Die Erwartungen für das zweite und die folgenden Quartale sind im Vergleich zu den vorhergehenden Ergebnissen auch etwas optimistischer, aber weiterhin vorsichtig. Auch wenn heute noch nicht klar ist wann – für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft wird es ebenfalls Lockerungen geben werden und müssen.

Neustart – Die Zeit für den Tourismus nach Corona wird kommen!

Die Erwartungen der Nachfrageentwicklung nach möglichen Lockerungen sind zurückhaltend zugleich aber auch hoffnungsvoll. Knapp die Hälfte der Teilnehmer schätzt die Nachfrageentwicklung im Vergleich zum Vorjahr schlechter ein. Hingegen schätzen 28% die Entwicklung als gleichbleibend, weitere 23% als besser ein. Wir gehen davon aus, dass sich das Reisegeschehen nach der Corona-Krise zunächst in die deutschen Reiseziele verlagert. Hiervon könnten insbesondere solche Destinationen profitieren, die den Bedürfnissen nach Sicherheit und Gesundheit in besonderem Maße entsprechen – die Heilbäder und Kurorte in Deutschland. Der Blick nach vorne ist wichtig und umfassende Vorbereitungsmaßnahmen das A und O. Der Neustart sollte vorbereitet sein. Schlüsselmaßnahmen in den Handlungsfeldern Infrastruktur & Anbieter, Marketing & Kommunikation sowie Organisation & Personal werden von den Teilnehmern werden als entscheidend bewertet. Dazu gehören neben der Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften auch die Attraktivierung der Einrichtungen. Im Bereich Kommunikation stehen insbesondere Aspekte wie Flexibilität, Zielgruppenorientierung und die Werte Sicherheit und Vertrauen im Vordergrund. Im dritten Handlungsfeld „Organisation & Personal“ dreht sich alles um die Themen Digitalisierung und Neuorganisation.

TOP-Maßnahmen: Verschiebung von Ersatz-/Neuinvestitionen, Kürzung (Marketing-) Budget & Kurzarbeit.

Auch die möglichen Maßnahmen zur Kostenreduzierung zeigen weiterhin ein eindeutiges Bild. Auch heute noch zählen sowohl die Verschiebungen von Ersatz-/Neuinvestitionen, (Marketing-) Budgetkürzungen als auch die Nutzung von Kurzarbeit zu den wichtigsten Maßnahmen und Instrumenten. Insbesondere die flächendeckende Nutzung der Möglichkeit von Kurzarbeit erfreut uns sehr, denn Unternehmen und Mitarbeiter sollten nicht nur während der Krise gesund und widerstandsfähig bleiben, sondern auch gemeinsam den Weg aus der Krise zurück in den Tourismus finden. 

Der Blick in die Heilbäder und Kurorte bestätigt sich: Der Ruf nach staatlichen Hilfen wird immer lauter.

Unsere Zusatzfragen im Kurorte-Klima der letzten zwei Wochen bestätigen unseren Eindruck aus den Heilbädern und Kurorten. Gefordert sind gezielte staatliche Unterstützungsleistungen und Hilfspakete in unterschiedlichster Form wie beispielsweise Kurzarbeitergeld für Mitarbeiter in kommunalen Einrichtungen, zinslose Kredite, Senkungen von Abgaben und Förderungen ohne Rückzahlungen. Zusätzlich werden Aspekte wie Bürokratie, Sicherheit, Image und die Anerkennung des Tourismus als wichtiger Wirtschaftssektor angesprochen. Massive finanzielle Ausfälle durch geschlossene Betriebe, ausbleibende Übernachtungs- und Tagesgäste, fehlende Kurbeiträge und weitere Einnahmen sowie zusätzlicher Aufwand, wie die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen, Sperrungen, Instandhaltung, etc. fordern die Heilbäder und Kurorte stark. Sicherlich kann der Staat nicht alle Ausfälle und Rückgänge kompensieren, aber das Überleben von Betrieben und Einrichtungen, die auch vor der Krise wirtschaftlich gesund waren, muss gewährleistet sein.

Auch weiterhin möchten wir auf unserem Blog und im Rahmen unserer Veranstaltungs-Reihe „Digitale Kurorte-Konferenz“ mit Ihnen gemeinsam Herausforderungen und Perspektiven diskutieren und uns über Learnings, Erfolgsfaktoren und Best Practices austauschen. Daher möchten wir Sie heute schon bitten, sich an der Befragung auch in den kommenden Wochen zu beteiligen. Das Kurorte-Klima wird im Zwei-Wochen-Rhythmus bleiben und Sie weiterhin über die aktuelle Lage informieren. Wir bleiben flexibel: Bei möglichen Lageänderungen bspw. Lockerungen für die Tourismus- und Freizeitbranche werden wir den Rhythmus anpassen, um auch sensible Veränderungen zu dokumentieren. Haben Sie Rückfragen? Sprechen Sie uns an.


Geschrieben von Isabell Decker

Ich bin Consultant bei der PROJECT M GmbH, einer Unternehmensberatung, die führend im Medizin- und Gesundheitstourismus ist. Ich bin verantwortlich für das Kompetenzfeld Gesundheit und befasse mich intensiv mit dem Gesundheitstourismus, bin in unterschiedlichsten Kurorten und Heilbädern von den Bergen bis zur See unterwegs und auf Landesebene aktiv. Besonders spannend ist dabei die Zusammenarbeit sowohl mit Touristikern als auch Medizinern. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der zielgruppenspezifischen Vermarktung gesundheitstouristischer Angebote und Produkte.


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„Kurorte-Klima“ – Umfrage

COVID-19 stellt die Heilbäder und Kurorte in Deutschland vor große Herausforderungen.
Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Reaktionen:
Um Transparenz und klare Fakten zur Lage in den Heilbädern und Kurorten zu schaffen,
haben wir uns entschlossen, eine Kurzbefragung durchzuführen,
zu der wir Ihnen in regelmäßigen Zeitabständen Auswertungen vorstellen werden.