Bettgeschichten: Gesunder Schlaf – ein lohnendes Thema im Gesundheitstourismus?

Wer gut schläft, lebt gesünder – und besser! Diese altbekannte Weisheit hält zunehmend auch Einzug in den Gesundheitstourismus. Vom „Guten und gesunden Schlaf“ in der Hotellerie über den „Gesunden Schlaf mittels der Kneippschen Lehre“ bis zu schlafmedizinischen Angeboten findet sich inzwischen für das Viertel der Bevölkerung, das von Schlafstörungen bzw. mangelnder Schlafqualität betroffen ist, eine breite Palette von Angeboten im Gesundheitstourismus.

Schlaf – der neue Imagefaktor eines Healthy Lifestyles

„Mit der Verfestigung des Aufmerksamkeit-Trends wird Schlaf zum neuen Image-Faktor. Sag mir, wie du schläfst, und ich sage dir, wer du bist.“ So heißt es treffend beim Blog-Beitrag von Andreas Reiter. Immer neue Apps zur Schlafanalyse und -optimierung sind Zeichen des Hypes, bei dem Schlaf zum neuen Image-Faktor eines Healthy Lifestyles wird. Gleichzeitig wird Schlaf mehr und mehr als Mittel zur Leistungsoptimierung bzw. -steigerung verstanden – beispielsweise um Stressresistenz zu steigern oder Lern- und Kreativitätsprozesse zu fördern.

Schlafstörungen und mangelnde Schlafqualität – die Kehrseite der Leistungsgesellschaft

Bereits 2013 hat das Roland-Koch-Institut ermittelt, dass gut ein Viertel der Bevölkerung Schlafstörungen hat, 11% beklagen einen nicht erholsamen Schlaf. In einer Befragung der DAK 2015 wurden die Gründe erhoben: Fast 40% (Mehrfachnennungen möglich) der befragten 1.400 Berufstätigen mit Schlafproblemen mit mindestens vier Wochen Dauer im Alter zwischen 35 und 65 Jahre geben Stress und besondere Belastungen an, fast ein Viertel „Grübeln, Ängste, Sorgen“. Jeweils ca. 21% geben einen „anderen Rhythmus, eine andere innere Uhr“ und „Schichtarbeiten, Arbeiten nach 20 Uhr“ an, gefolgt von „Schmerzen und anderen Unannehmlichkeiten“ (14%) und Lärmbelästigung (11%).

Der Gesundheitstourismus reagiert – mit niederschwelligen und hochmedizinischen Angeboten

Betrachtet man die inzwischen doch breit gefüllte Angebotspalette, so lassen sich vier typische schlaforientierte Angebotsformen im Gesundheitstourismus erkennen:

  • Schlaf zur Entschleunigung / Erholung / im Wellness-Kontext: Hier positioniert sich die Wellness-Hotellerie. Die Best Alpine Wellness Hotels in Österreich und Südtirol verstehen sich beispielsweise als „Schlaf-Gesund-Pioniere“ und bieten „Power Sleeping Rooms“ mit speziell bioenergetisch schlafoptimierter Ausstattung an.

  • Schlaf als Therapeutikum zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden: Das Hotel Mürz in Bad Füssing bietet beispielsweise Schlaf Wellness Coaching in Bad Füssing für mehr Erholung im Schlaf – inszeniert als Wellness mit speziellen SchlafCoaches – an. Bad Kissingen positioniert sich über „Entdecke die Zeit“ u.a. mit einem chronobiologischen Ansatz zum „Leben im eigenen Biorhythmus“.

  • Angebote bei Schlafstörungen, z.B. Ein-/Durchschlafstörungen, Apnoe: In diesem Kontext arbeiten verschiedene Anbieter mit Schlaftrainern und Schlaflaboren. Das Projekt „Gut Schlafen im Mecklenburger ParkLand“ setzt nach dem Motto „Gut Schlafen im Sternenpark“ systematisch Schlaftrainer ein. Das Lanserhof Schlaflabor diagnostiziert Schlafstörungen, individuell konzipierte ganzheitliche Schlafprogramme unterstützen auf dem Weg zurück zum normalen Schlafrhythmus. In eine ähnliche Richtung geht das „Sleep Spa“ mit mobilem Schlaflabor in Zusammenarbeit mit Schlafmediziner im Hotel Stadt Hamburg auf Sylt.

Auch wenn bei einigen Angeboten noch abgewartet werden muss, wie sie sich durchsetzen und wie die Produkte in die richtigen Vertriebskanäle kommen, zeigt sich doch bereits ein deutlicher Trend: Schlaf wird immer wichtiger bei der Entwicklung gesundheitstouristischer Angebote. Wir rechnen damit, dass das Thema „Gesunder Schlaf“ künftig systematisch in die Angebotsgestaltung der Prävention im Dreiklang von „Ernährung, Bewegung und Entspannung“ eingebunden wird.


Geschrieben von Andreas Reiter und Cornelius Obier

Andreas Reiter

Als passionierter Zukunftsforscher habe ich Ende 1996 das ZTB Zukunftsbüro (www.ztb-zukunft.com) in Wien gegründet. Ich berate Unternehmen, Destinationen, Kommunen, den Öffentlichen Sektor sowie Organisationen in strategischen Zukunftsfragen, bei strategischer Positionierung und markenkonformer Produkt-Entwicklung. Als Referent bin ich bei internationalen Kongressen und Tagungen im Einsatz sowie als Lehrbeauftragter für Trends und Innovations-Management (Donauuniversität Krems und MCI in Innsbruck).


Cornelius Obier

Ich bin Geschäftsführer der PROJECT M GmbH, einer im Gesundheits- und Medizintourismus führenden Unternehmensberatung im deutschsprachigen Raum. Gesundheits- und Medizin-tourismus gehört seit vielen Jahren zu meinen „Steckenpferden“. Seit 1996 habe ich in diesem Markt eine Vielzahl von Beratungsprojekten geleitet, bin Autor mehrerer Fachstudien, werde oft als Moderator oder Referent eingeladen. Medizin und Gesundheit auf der einen, Tou- rismus auf der anderen Seite: Mitunter finden die beiden Branchen nicht leicht zusammen. Ich kenne beide Seiten sehr gut und verstehe mich als Inspirator und Brückenbauer.


3 Kommentare

  1. […] Wer gut schläft, lebt gesünder – und besser! Diese altbekannte Weisheit hält zunehmend auch Einzug in den Gesundheitstourismus. Vom „Guten und gesunden Schlaf“ in der Hotellerie über den „Gesunden Schlaf mittels der Kneippschen Lehre“ bis zu schlafmedizinischen Angeboten findet sich inzwischen für das Viertel der Bevölkerung, das von Schlafstörungen bzw. mangelnder Schlafqualität betroffen ist, eine breite Palette von Angeboten im Gesundheitstourismus.  […]

  2. Rückenschmerzen nach dem Schlaf können eine weitverbreitete Ursache für Schlafprobleme sein. Würde man diese mit der erwähnten speziellen schlafoptimierter Ausstattung vermeiden können wäre vielen geholfen und die Attraktivität solcher Schafstätten wären hoch. Mit speziellen Gesundheitsmatratzen könnte man dort ansetzen.

  3. Oleum sagt:

    Schlaf ist das A und O im Leben, denn wenn man mal bedenkt, wie lange ein Mensch in seinem Leben schläft, dann am gesunden Schlaf nicht gespart werden.

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