Kurorte-Klima 2026

Stabile Geschäftslage – Nachfrage im Wandel durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen Das erste Quartal 2026 zeigt ein differenziertes, aber klar interpretierbares Bild: Die Heilbäder und Kurorte in Deutschland sind insgesamt[…] weiterlesen

Kurorte-Klima 2026

Stabile Geschäftslage – Nachfrage im Wandel durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Das erste Quartal 2026 zeigt ein differenziertes, aber klar interpretierbares Bild: Die Heilbäder und Kurorte in Deutschland sind insgesamt stabil aufgestellt. Gleichzeitig verändern sich Nachfrage, Erwartungen und Rahmenbedingungen spürbar.

Auf Basis von knapp 70 teilnehmenden Orten liefert das aktuelle Kurorte-Klima fundierte Einblicke in die Situation der über 350 prädikatisierten Heilbäder und Kurorte und macht deutlich: Die Branche steht weniger vor einem Einbruch als vor einer Phase der Neujustierung.

Geschäftslage: Stabil, aber vorsichtig bewertet

Die aktuelle Geschäftslage wird weiterhin überwiegend positiv bis solide bewertet, verliert jedoch leicht an Dynamik. Nur noch 24 % der teilnehmenden Kurorte bewerten ihre eigene Lage als gut – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig dominiert mit 72 % die Einschätzung „befriedigend“.

Noch zurückhaltender fällt der Blick auf die Branche insgesamt aus: Hier sehen lediglich 16 % eine gute Lage. Besonders deutlich wird die veränderte Stimmung im Ausblick: Nur 4 % der Kurorte erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden Monaten.

Das zentrale Signal: Die Branche ist stabil – aber die Zuversicht nimmt ab. Externe Faktoren prägen zunehmend die Erwartungen.

Nachfrageentwicklung: Stabilisierung statt Wachstum

Auch bei der Nachfrage zeigt sich kein Einbruch, aber eine klare Abkühlung der Dynamik. Die Mehrheit der Kurorte rechnet für 2026 mit einem gleichbleibenden Niveau, während nur eine kleine Gruppe von Wachstum ausgeht.

Im Detail:

  • 61 % gehen von einem stabilen Niveau aus
  • 13 % erwarten steigende Nachfrage

Diese Entwicklung ist eng mit den aktuellen Rahmenbedingungen verknüpft. Inflation, konjunkturelle Unsicherheiten und gesellschaftspolitische Entwicklungen beeinflussen das Reiseverhalten und die Zahlungsbereitschaft der Gäste zunehmend.

Die Nachfrage bleibt tragfähig, aber sie wächst nicht mehr automatisch. Für Kurorte bedeutet das: Profilierung und gezielte Marktbearbeitung werden entscheidender als reines Kapazitätswachstum.

Abb.1: Kurorte Klima 2026, PROJECT M GmbH

Nachfrage stärken, Einnahmen sichern

Investitionen, Angebotsentwicklung und operative Exzellenz im Fokus

Die strategischen Antworten der Kurorte folgen einem klaren Muster: Es wird investiert und zwar gezielt in Qualität, Angebot und Marktzugang.

Im Mittelpunkt stehen vor allem infrastrukturelle Maßnahmen sowie die Weiterentwicklung des Angebots vor Ort. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht in Investitionen in die touristische Infrastruktur den wichtigsten Hebel zur Nachfragestärkung. Ergänzend gewinnen die Erweiterung des Angebots, die gezielte Ansprache gesundheitstouristischer Zielgruppen sowie die bessere Inszenierung der Heilmittel an Bedeutung.

Parallel dazu öffnen sich viele Kurorte stärker für neue Nachfragegruppen, insbesondere für genuss- und erlebnisorientierte Gäste. Auch die Digitalisierung, vor allem im Bereich der Buchungsprozesse, wird zunehmend als strategischer Erfolgsfaktor verstanden.

In der praktischen Umsetzung zeigt sich ein klarer Fokus auf Maßnahmen mit unmittelbarer Wirkung:

  • Weiterentwicklung bestehender Angebote
  • stärkere Ausrichtung an veränderten Gästebedürfnissen
  • Kombination von Gesundheit, Wellness und Erlebnis
  • Verbesserung von Sichtbarkeit und Buchbarkeit

Weniger im Fokus stehen aktuell dagegen Maßnahmen, die langfristig wirken oder strukturelle Veränderungen erfordern – etwa Fundraising, klimaschonende Angebotsentwicklung oder die Einführung neuer Preismodelle in bislang kostenfreien Bereichen.

Key-learning:
Die Kurorte setzen bewusst auf wirksame, kurzfristig stabilisierende Instrumente – bei gleichzeitig wachsender Notwendigkeit, langfristige Transformationsfelder mitzudenken.

Einnahmesituation: Bewährte Instrumente bleiben zentral

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Sicherung und Steigerung der Einnahmen. Hier dominieren weiterhin klassische, gut steuerbare Hebel.

Im Zentrum stehen:

  • Investitionen in Infrastruktur
  • gezielte Marketing- und Vertriebsaktivitäten
  • Anpassungen bei Preisen und Provisionen

Ergänzend nutzen viele Kurorte weitere Instrumente wie kommunale Zuschüsse, Querfinanzierungen aus dem Tourismus oder die Ausweitung bestehender Beitragsmodelle. Auch Digitalisierung und wetterunabhängige Angebote gewinnen an Bedeutung.

In der Praxis konzentrieren sich die meisten Orte jedoch klar auf Maßnahmen, die direkt und planbar zur Einnahmestabilisierung beitragen. Ergänzende oder langfristig angelegte Instrumente – etwa Fundraising oder klimaschonende Produkte – spielen aktuell eine eher untergeordnete Rolle.

Abb. 2: Handlungsoptionen zur Steigerung der Nachfrage, PROJECT M 2026
Abb. 3: Durchgeführte und geplante Maßnahmen, PROJECT M 2026

Schlüsseleinrichtungen im Fokus

Wirtschaftlichkeit sichern durch gezielte Investitionen und klare Angebotsstrategien

Thermen, Bäder und Wellnesszentren bleiben zentrale wirtschaftliche Anker der Kurorte. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Attraktivität.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Entscheidend für den Erfolg dieser Einrichtungen sind vor allem Maßnahmen, die direkt auf Angebot und Qualität einzahlen. Dazu zählen die Weiterentwicklung des Leistungsportfolios, Investitionen in die Infrastruktur sowie eine gezielte Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen.

Diese Maßnahmen wirken doppelt – sie steigern die Gästezufriedenheit und sichern gleichzeitig die langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Auch für 2026 planen viele Kurorte, diesen Weg konsequent weiterzugehen. Der Fokus liegt auf:

  • Ausbau und Differenzierung des Angebots
  • weiteren Investitionen in Infrastruktur
  • verstärkten Marketingaktivitäten

Ergänzend werden Instrumente wie Preisanpassungen, kommunale Zuschüsse oder Querfinanzierungen eingesetzt, um die wirtschaftliche Stabilität der Einrichtungen zu sichern.

Key-Learning:
Die Qualität und Positionierung der Schlüsseleinrichtungen wird zunehmend zum entscheidenden Erfolgsfaktor im Wettbewerb der Kurorte.

Abb. 4: Maßnahmen in eintrittspflichtigen Schlüsseleinrichtungen

Fazit: Stabilität – bei steigendem Anpassungsdruck

Das Kurorte-Klima im Frühjahr 2026 zeigt eine Branche, die insgesamt stabil aufgestellt ist, sich jedoch in einem spürbaren Wandel befindet.

Die Nachfrage bleibt verlässlich, entwickelt sich jedoch weniger dynamisch. Gleichzeitig begrenzen wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen den Handlungsspielraum.

Umso wichtiger wird es, gezielt in die eigene Zukunftsfähigkeit zu investieren. Entscheidend sind dabei insbesondere:

  • Qualität und Modernität der Infrastruktur
  • klare inhaltliche Positionierung
  • eine differenzierte und zielgerichtete Marktbearbeitung

Die zentrale Erkenntnis:
Erfolgreiche Kurorte verbinden Substanz mit Profil und Marktzugang und übersetzen ihre Stärken konsequent in marktfähige Angebote.

Ausblick

Auch in den kommenden Wochen werden wir die Entwicklungen im Kurorte-Klima weiter begleiten und aufbereiten.

Gleichzeitig laden wir weitere Heilbäder und Kurorte ein, sich an der nächsten Erhebungsrunde im Sommer zu beteiligen.

Die bisherigen Ergebnisse finden Sie unter: https://gesundheit-tourismus-blog.com/kurorte-klima/


Geschrieben von Detlef Jarosch und Dr. Katja Zielke

Detlef Jarosch

Ich bin Standortleiter München der PROJECT M GmbH und standortübergreifender Bereichs-leiter (gesundheitsorientierte) Infrastruktur. Ich habe mich speziell der Erlebbarmachung des Gesundheitstourismus und dem nachhaltigen Betrieb entsprechender Infrastruktur verschrie- ben und verstehe gesundheitstouristische Einrichtungen als Erlebnisraum. In meiner Zeit als Regionalmanager, Projektmanager und Geschäftsführer in unterschiedlichen Gesundheits- regionen verfolgte ich genau diese Ziele. Das einzigartige PPP-Projekt Oversum Vitalresort Winterberg (NRW), welches ich als verantwortlicher Projektsteuerer mitentwickelte, ist ein geeignetes Beispiel für meine Vorstellung von zeitgemäßer Produktentwicklung im Gesundheitstourismus.


Dr. Katja Zielke

Ich bin Senior-Consultant bei der PROJECT M GmbH, einer Strategieberatung für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft, die führend im Gesundheits- und Wellnesstourismus ist. Ich bin seit mehr als 18 Jahren in der Tourismus-, Hotel-, Spa- & Gesundheitsbranche tätig und hier schwerpunktmäßig in der strategischen Entwicklung und Positionierung, sowie Marketing & Vertrieb von neuen und bestehenden Spa-, Wellness- und Gesundheitseinrichtungen. Besonders spannend ist dabei die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren u.a. aus Hotellerie, Medizin und auch Kurorten und Heilbäderverbänden entlang der gesamten Leistungskette - angefangen von der strategischen Analyse über die Konzeption und Produktentwicklung bis zur zielgruppenspezifischen Vermarktung und zur Umsetzungsbegleitung.


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